Elisabethstraße 9

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Grund-Information
Elisabethstraße 09.JPG

Elisabethstraße 9, Schillerhof

Aliasadressen =Elisabethstraße 9, =Schillerplatz 1-2, =Nibelungengasse 4
Ehem. Konskriptionsnummer keine - Glacis vor der Augustinerbastei
Baujahr 1870
Architekt Johann Romano und August Schwendenwein


Das Schillerhof - Architektur und Geschichte

Der Schillerhof ist nach dem Dichter und Dramatiker Friedrich Schiller benannt und besteht aus zwei Mietshäusern, die durch einen gemeinsamen Hof verbunden sind. Das Vestibül ist mit Pilastern und Stichkappenspiegelgewölben ausgestattet. In der Beletage sind noch zwei Stuckdecken erhalten. Zwischen 1896 und 1918 wurde das Haus an der Seite der Elisabethstraße an das k.k. Ministerium für Eisenbahnen vermietet, auf Seite der Nibelungengasse war bis 1918 das Reichsgericht, der Vorläufer des heutigen Verfassungsgerichtshofes, tätig, ab 1919 der Verfassungsgerichtshof, und in der NS-Zeit der Bundesgerichtshof. Ab 1945 war hier die Zentrale der ÖBB, heute sind hier nur mehr die ÖBB-IKT GmbH und die ÖBB Telekom Service GmbH angesiedelt.

Der Schillerhof war im Zweiten Weltkrieg einer der meistfrequentierten Schutzkeller, er geht über mehrere Etagen und bildet ein weitläufiges Labyrinth. Noch heute sind die Leuchtschriften, Schleusentüren und Wegweiser erhalten, auch die Notausstiege und Mauerdurchbrüche für eine erforderliche Flucht gibt es noch.

NSDAP und Widerstand

In dem Haus befand sich vor 1933 das Sekretariat der NSDAP, im Oktober 1920 arbeitete hier Adolf Hitler als Wahlhelfer für die Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei. Auch während dem Zweiten Weltkrieg hatten die Nazis sich hier eingerichtet: Während dem Krieg war hier die Luftwaffen-Kommandobehörde (Luftflottenkommando 4 und das Luftgaukommando 17) zentriert. Sie waren für Ost- und Südösterreich, die Tschechoslowakei, Schlesien und Jugoslawien zuständig. Das Haus wurde der Besitzerin Alice Kafka 1940 entzogen, das Rückholverfahren 1954 scheiterte: Die Finanz-Prokura wertete die Übernahme nicht als „Mittel der politischen Repression“. In dieser Abteilung bildete sich die militärische Widerstandsgruppe Schubert.

Die militärische Widerstandsgruppe Schubert

Kurt Schubert (4.3.1923-4.2.2007) ging im Theresianum zur Schule. Als 1938 die Nasiz einmarschierten, wurde er augrund seines Asthmas als untauglich eingestuft und konnte bis zur Matur die Schule weiter besuchen. Danach studierte der katholische Schubert – ausgelöst durch die Judenverfolgung - Judaistik an der Universität Wien, am Institut für altorientalische Philologie. 1944, also noch vor Kriegsende, promovierte er dieses „heikle“ Studium.

Noch während seiner Studentenzeit rettete er die Bibliothek des Wiener Rabbinerseminars, die nach 1945 nach Israel transferiert wurde, vor der Verbrennung. Er gehörte der Widerstandsbewegung an, genauso wie der damals illegalen Katholischen Hochschulbewegung. Nach dem Krieg bewirkte er, dass die Universität rasch wieder ihren Betrieb aufnahm. Er zählte zu den besten Judaistik-Experten und unterrichtete noch bis 2006 am Institut für Judaistik.

Wohnhaus bekannter Persönlichkeiten

Wohn- und Sterbehaus von Siegfried Becher

Im Haus Elisabethstraße 9 wohnte der Nationalökonom und Statistiker Siegfried Becher (28.2.1806-4.3.1873). Becher unterrichtete ab 1835 am Polytchnikum Geschichte und Handelsgeografie und veröffentlichte zahlreiche Werke über Bevölkerungsverhältnisse und Münzwesen.

Unternehmen

Anker-Baustein-Verkauf

Anker-Bausteine

In dem Haus befand sich die Filiale der Firma F. Ad. Richter & Cie. aus Rudolstadt - sie war der Hersteller von Baukästen.

Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts waren Bausteine, das Spielzeug für Kinder, aus dem ganze Häuser nachgebaut werden konnten, am Markt. Vervollkommt wurde die Spielware durch Matthias Trentsensky, die Firma Richter, mit der Schutzmarke eines Ankers, vertrieb sie. Mit den Steinen konnten, mithilfe von Vorlagen, auch komplizierte Gebäude und Burgen nachgebaut werden.

Das Unternehmen produziert heute noch Baukästen.[1]


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Quellen