Schönlaterngasse 7

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Grund-Information
Haus-Schönlaterngasse 7-01.jpg

Schönlaterngasse 7

Aliasadressen =Schönlaterngasse 7
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 678 | vor 1821: 722 | vor 1795: 769
Baujahr 17. Jhdt. / Keller 13.und 14. Jhdt.
Architekt unbekannt


Das Basiliskenhaus - Architektur und Geschichte

Die gotischen Kellermauern des Basiliskenhasues stammen aus dem 13. Jahrhundert, als es noch den Namen „Zum Roten Kreuz“ hatte. Der heutige Name ist auf das Hausschild in einer Fassadennische zurückzuführen, dieses wiederum auf eine Sage, die sich hier abgespielt haben soll.[1]

Eine, bei einem Hausumbau vermeintlich verlorengegangene Steintafel, die 1577 vom Hausbesitzer Hans Spannring angebracht worden sei, war - wie sich bei einer Renovierung herausstellte - eine Bemalung, die nun wieder ersichtlich ist:

„Anno Domini MCCII wardt erweldt Kayser Friedrich II. Unter seinem Regiment ist von einem Hann entsprungen ain Basilisc, welcher abstehender Figur gleich; und ist der Brunn voll angeschütt worden mit erden, darinnen selbiges Thier gefunden worden ist; ohne Zweifel, weil es seyner gifftigen Aygenschaft, vill Menschen gestorben und verdorben seynd. Renovirt A. 1577 durch den Haus-Herrn Hanns Spannring, Buchhandler

Fassadenmalererei zum Basilisk

Die Legende vom Basiliskenhaus

An der Fassade des Hauses ist eine Steinskulptur zu sehen, ein Hahn, dessen Schnabel, Kamm und Schweif aus Eisen angesetzt sind. Es handelt sich um den Basilisken - auch: "Eidechsenkönig" - um den sich folgende Geschichte rankt, die sich 1211 zugetragen haben soll:

Der Basilisk - Version 1 Relevante Orte: Schönlaterngasse 7
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Eines Morgen lief die Magd des Hauses schreiend durch den Hof - sie hatte eine unheimliche Gestalt im Brunnen hocken gesehen. Das Monster im Ziehbrunnen gäbe einen furchtbaren Gestank von sich, und wenn sie ein zweites Mal hingesehen hätte, wäre sie vor Schreck gestorben.

Ein junger Bursch, der sich selbst oft wegen seine Unerschrockenheit gerühmt hatte, grinste den Hausbesitzer an und meinte, er würde sich das nun selbst ansehen, einem schreckhaften Mädchen dürfe man ja nicht glauben. Mit einem schelmischen Seitenblick auf die Magd band er sich ein Seil um den Bauch und kletterte die Metallsprossen hinunter in den Brunnen. Die Männer, die das Seil oben festhielten spürten plötzlich eine große Last, und zogen es rasch hoch: Der Junge hing leblos am Seil.

Als er endlich aus seiner Ohnmacht erwachte, erzählte er, was er gesehen hatte: Im Brunnen saß ein Hahn mit silbernen Schuppen, plumpen, warzenbedeckten Klauen und glühenden Augen. Sein stinkender Atem blies erst die Pechfackel aus, danach verursachte er die Bewusstlosigkeit des Burschen. Der Stadtarzt, der rasch geholt wurde, um dem Jungen Besserung zu verschaffen, hörte sich die Geschichte an und erinnerte sich, schon einmal von so einem Ungetier gehört zu haben. Es soll aus einem Ei geschlüpft sein, das ein alter Hahn gelegt hatte und von einer Kröte ausgebrütet worden war. Er erzählte weiter: "Bursche, du hast großes Gllück gehabt, denn es handelt sich hier um einen Basilisken. Und wer ihm in die Augen sieht, dem gerinnt das Blut in den Adern und sein Atem haucht einem den Tod ein. Er ist unverletzbar, kein Säbel, kein Messer, kein Feuer kann ihm schaden. Nur sein eigener schrecklicher Anblick könnte für seinen Tod sorgen - wer ist bereit, ihm einen Spiegel vorzuhalten?"

Und da sich keiner meldete, beschloss man, Steine und Erde in den Schacht zu werfen und zu hoffen, dass so die Bestie ihr Ende gefunden hätte. Der Bursche starb noch am gleichen Tag, das Haus wurde fortan nur mehr "Basiliskenhaus" genannt.[2], [3], [4]

Einen etwas besseren Ausgang hat diese Version der Legende:

Der Basilisk - Version 2 Relevante Orte: Schönlaterngasse 7
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Im Jahr 1212 lebte in diesem Hause der Bäckermeister Martin Garhibl, ein böser, hartherziger und geiziger Mann, der seinem holden Töchterchen Apollonia und seinen Gesellen schwere Stunden bereitete, so dass von den letzteren nur Hans der Gelbhaar es allein bei dem bösen Meister aushielt.

Was die Ursache des Bleibens des Gesellen Hans bei dem bösen Meister war, ist leicht zu erraten, denn nach einiger Zeit bat Hans den Vater um die Hand seiner Tochter. In hellem Zorn wies ihm jedoch der erboste Meister die Tür, mit dem höhnischen Ruf: "Sobald dieser Hahn, der sich so patzig wie du benimmt, ein Ei gelegt haben wird, sollst du meine Tochter zum Weibe erhalten!"

Nach einiger Zeit, als eben der Vater wieder einmal, nachdem Hans seiner Wege gezogen, seiner Tochter seinen Schwur wiederholte, hörte man den Hahn kräftig krähen und gackern und sah noch, wie er über das Dach flog und ein Ei verlor, das in den Brunnen fiel.

Als die Magd am Brunnen war, um Wasser zu schöpfen es, sei sie zu Tode erschrocken, als aus dem Brunnen verwunderliches Geflunker blitzte und gräulicher Gestank hervordrang. Ein mutiger Lehrjunge, der sich, an ein Seil gebunden, in den Brunnen hinabgelassen hatte, erzählte, dass unten ein furchtbares Tier mit zackigem Schuppenschweife, wunderlich glühenden Augen und warzigen Füßen sitze und auf dem Kopfe ein Krönlein trage. Es sehe aus, als wäre das Ungetüm aus einem Hahne, einer Schlange und einer Kröte zusammengesetzt.

Ein gelehrter Doktor erklärte endlich der erstaunten Menge, dass das Tier ohne Zwei-fel ein Basilisk sein müsse, den schon der berühmte Plinius beschrieben habe. Es könne nur getötet werden, wenn man ihm einen Spiegel vorhalte, denn dann entsetze sich das Unwesen so über sein eigenes Aussehen, dass es vor Wut zerberste.

Zum Glück nahte ein Retter in der Gestalt des verschmähten Hans. Er ließ sich, einen Spiegel als Schild vorhaltend, in den Brunnen hinab, worauf der Basilisk zersprang.

Zum Lohne für die Rettung vor dem Basilisken musste der Bäckermeister wohl oder übel einwilligen, dass Hans seine Tochter heimführte. Um aber diese Begebenheit den Nachkommen dauernd ins Gedächtnis einzuprägen, wurde ein getreues Abbild des Basilisken an der Außenmauer des Hauses angebracht, wo er sich noch heute befindet. [5], [6]

Der Wahrheitsgehalt der Legende

Veröffentlicht wurde die Sage erstmals 1546 von Wolfgang Lazius in dessen „Vienna Austriae“. Dieses „Wunder“ erklärte der Gelehrte Eduard Sueß später damit, dass man offensichtlich einen tiefen Brunnen gegraben hatte und dabei an die Tegelgrenze gestoßen sei. Als man durch die Sandsteinplatte durchbohrte, dürften Grundwasser und Schwefelgase entwichen sein, die sogar Menschen töten konnten.



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Quellen

  1. A. Realis: Curiositaten und Memorabilien-Lexicon von Wien, Anton Köhler Verlag, Wien, 1846. S. 67 ff.
  2. Maria Pacolt, Sagen aus Alt-Wien, Alex & Co, 1946, S. 5-7
  3. Carl Calliano: Niederösterreichischer Sagenschatz, Wien 1926 - 1936, Bd. 5, 1936, S. 23 f.
  4. Realis (Gerhard Cockelberghe-Duetzele): Geschichten, Sagen und Merkwürdigkeiten aus Wiens Vorzeit, Wien 1846, S. 153 f.
  5. Gustav Gugitz: Die Sagen und Legenden der Stadt Wien, Wien, 1952, Nr. 12, S. 24f
  6. Wiener Pädagogische Gesellschaft: Wiener Sagen, Wien, 1922, S. 15