Rotenturmstraße 19

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Grund-Information
Rotenturmstraße 19.jpg

Rotenturmstraße 19

Aliasadressen =Rotenturmstraße 19, =Rotgasse 6
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1861: 641, 642, 643 | vor 1821: 682, 683, 684 | vor 1795: 651, 652, 653
Baujahr 1896
Architekt Julius Deininger


Das Haus, Van-Swieten-Hof - Architektur und Geschichte

1896 erbaute Julius Deininger des Van-Swieten-Hof. Der Namensgeber Gerhard van Swieten war der Leibarzt Maria Theresias, er machte sich nicht nur als Vampirjäger und Sittenwächter einen Namen, auf seine Initiative gehen die Einrichtung eines botanischen Gartens, eines chemischen Labors und die Einführung des klinischen Unterrichts zurück. Damit gilt er als Begründer der Älteren Wiener medizinischen Schule. An ihn erinnert ein Porträt, das am Haus angebracht ist.

Im ersten Stock des Gebäudes weist eine Tafel auf die „“Witwen und Waisen-Societät des Wiener Medicinischen Doctoren-Collegiums” hin, die 1758 gegründet wurde.

Als man die Bauarbeiten begann, stieß man auf einen 62 Zentimeter hohen und 40 Zentimeter breiten Pinienzapfen aus Sandstein. Einst diente er als Giebel eines größeren Hauses. Das Doktorenkollegium schenkte den Fund dem Kunsthistorischen Museum.

Vorgängerhäuser

Das Maut- und Waaghaus, Stadt 641

Das Waaghaus gab es an dieser Stelle seit 1312, in diesem Durchhaus standen geeichte Waagen, die vor allem zur Überprüfung der Ein- und Ausfuhr in und aus der Stadt dienten.

Zwischen 1529 und 1672 wurde hier zusätzlich Maut eingehoben. Davon gab es verschiedene Arten:

• Die Burgmaut für die Einfuhr von Waren,
• die Pflastermaut (besondere Maut zur Einfuhr von Fleisch und Getreide, zur Erhaltung der Bepflasterung),
• die Brückenmaut (auch Tabormaut) für die Nutzung der Donaubrücke und
• für Überfuhren noch die Maut am Urfahr.

Als 1773 das Hauptmautgebäude in der Postgasse 10 fertiggestellt wurde, übersiedelten die Waagen dorthin. Erst 1841 verkaufte die Stadt das Haus in Privatbesitz. 1895 kaufte es die "Witwen- und Waisen Societät des Wiener medizinischen Doktorenkollegiums", ein Jahr später wurde es abgerissen.

Eines der ersten Kaffeehäuser

1685 eröffnete hier eines der ersten Wiener Cafe-Häuser, gegründet durch den Armenier Johannes Deodat, der vom Kaiser das Privileg erhielt, „Caffe, Thee und Scherbet“ zu verkaufen. Scherbet ist ein Sorbet-Getränk.

Die Häuser 642 und 643

1345 stand hier nur ein Haus mit zwei kleinen Zuhäusern. 1567 wurde das Haus geteilt, fortan gab es Stadt 642 und 643. Haus 642 war als "Kleines Waaghaus" bekannt, das lange Zeit dem jeweiligen städtischen Aerar zur Verfügung gestellt wurde. Das mittelalterliche Haus war mit gewölbten Räumen ausgestattet, an denen zierliche Stuckkaturen angebracht waren. An der Außenseite zierten es zahlreiche Erker, Hohlbögen und Steinbilder. [1]

1835 kaute der Industrielle Rudolf Arthaber die beiden Häuser, ließ sie abreißen und 1840 durch ein neues Gebäude ersetzen. Zum Bau des heutigen Hauses wurde auch dieses Haus zerstört.

Wohnhaus bekannter Persönlichkeiten

Wohnhaus des Adalbert Stifter

Im 4. Stock des Hauses wohnte zwischen September 1832 und März 1834 Adalbert Stifter.

Wohnhaus des Vizebürgermeisters Johann Baptist Ripelly

Im Haus Stadt 641 wohnte der Magistratsrat und spätere Vizebürgermeister Johann Baptist Ripelly (um 1787, † ?).

Sterbehaus der Gemahlin von Johann Georg Albrechtsberger

In dem Haus starb am 8. Juni 1826 auch die Frau des Domkapellmeisters Johann Georg Albrechtsberger, Rosalia Weiß. Sie war die Tochter eines Bildhauers.

Sonstige Bewohner

  • Vinzenz Mack, aus dem bürgerlichen Handelsstande (Stadt 642) [2]
  • Michael Wißmüller, Ehemann von Barbara, magistratischer Steueramtskassierer

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Quellen

  1. A. Realis: Curiositaten und Memorabilien-Lexicon von Wien, Anton Köhler Verlag, Wien, 1846. S. 59
  2. Franz Haller: Adressenbuch des bürgerlichen Handelsstandes in der k.k. Haupt- und Residenzstadt Wien für das Jahr 1832, Eigenverlag, 1833, Wien, S. 2