Postgasse 4A

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Grund-Information
Dominikanerkirche in Wien.jpg

Dominikanerkirche

Aliasadressen =Postgasse 4A, =Predigergasse 2
Konfession römisch-katholisch


Architektur und Geschichte

Dominikanerkirche aus Sicht Canalettos

Bettelorden bauten üblicherweise ihre Kirchen knapp an Stadttoren - so geschah es auch bei dieser Kirche: sie grenzte ans Stubentor. Der Baugrund für das Kloster und eine Kapelle war den Mönchen im Jahr 1226 von Herzog Leopold VI. zur Verfügung gestellt worden. Das erste Kirchlein wurde 1237 (von Eberhard, Erzbischof von Salzburg) geweiht, nach zwei Bränden war es jedoch so zerstört, dass man beschloss, nun eine richtige Kirche zu errichten, die noch verbliebenen Fundamente des alten Kirchleins wurden dabei in den Neubau integriert. Nikolaus Boccasini, damals Domkardinal, später Papst Benedikt XI., weihte die neue Kirche 1302.

1529, als die Türken Wien belagerten, rächte sich die Lage unmittelbar an der Stadtbefestigung: Die Bevölkerung trug große Teile der Kirche ab, um mit dem Material die Stadtummauerung zu verstärken. 1530 beschloss Ferdinand I eine neue Kirche zu erbauen, sie rückte dabei etwas näher gegen die Stadt, die verbliebenen Ruinen standen noch viele Jahre hinter der neuen Kirche. Da der Bau sehr schnell vorgenommen wurde - und kaum Geld vorhanden war -, war die Kirche schmucklos, fast ärmlich, ausgestattet. Nun wurde auf kargen Mauern ein hohes Kirchendach aufgesetzt, auch der schlichte Turm erhielt ein hohes Spitzdach.

Aus den Ruinen wurde zwischen 1545 und 1560 ein Kavalier (Katze, Teil der Stadtmauer) errichtet, und da dafür seitens des Herrscherhauses kaum Geld beigesteuert werden konnte, und die Finanzierung durch die Bürger erfolgen musste, trug der Teil der Bastion bald den Namen "Bürgerbastei" (auch Namen wie "Predigerbastei" und "Hollerstaudenbastei" finden sich). Über den fertiggestellten Bau verfasste Schmelzl um 1560 die Zeilen:

Original Hochdeutsch
Zu nechst beym Stubnthor herbey

Die Herrn von Wienn auff haben paut
Ein Stuck, warlich wer das anschaut,
Der spricht: "das ist ein nutz gepew!"
Von quaderstain gemacht als new,
Zu welchem Künigklichs gemüt,
Auß rechter vätterlicher güt,
Beym predigern den hohen Chor,
Ungepaut gstanden etlich jar,
Zu diser Pasteyen vergundt.

Dem Stubentore nahebei

Ist von den Wienern auferbaut
Ein Stück, fürwahr, wer dies beschaut,
Der spricht: 'Das muß von Nutzen sein.'
Errichtet ist's aus Quaderstein.
Es hat ein königlich Gemüt,
Aus echter, väterlicher Güt',
All' das, was bei dem hohen Chor
Der Prediger lange stand zuvor,
Der Bastion nunmehr vergönnt.

Als der Kavalier 1847 großteils abgetragen wurde, fanden sich wieder die Fundamente der beiden alten Kirchen, auch zahlreiche Münzen, Grabsteine (wie der des Friedrich Frieshammer) und Kunstwerke konnten geborgen werden. [1]

100 Jahre nach der Zerstörung zur Zeit der Türkenbelagerung, am 6.5.1631, legte Kaiser Ferdinand II. den Grundstein für eine neue Kirche, er ließ dabei die schmucklose Behelfskirche abtragen. Schon nach drei Jahren war der Rohbau fertiggestellt, am 1.10.1634 weihte man die früheste barocke Kirche Wiens. Die Kuppel und die Fassade wurden 1674 vollendet - damit war die Dominikanerkirche nach der Stephanskirche die zweitgrößte Kirche der Stadt.

Papst Pius XI. erhob die Kirche 1927 zur "Basilica minor".

Die Kirche Außen

Die barocke Ausfertigung ist vor allem italienischen Künstlern zu verdanken - unter ihnen der Freskenmaler Carpoforo Tencalla und die Baumeister Cypriano Biasino, Antonio Canevale und Jacopo Spacio. Die Steinmetzarbeiten wurden durch Meister Hieronymus Bregno vorgenommen.

Über dem Portal der Kirche befindet sich die Patronin der Kirche, eine Statue der Hl. Maria vom Rosenkranz. An der Fassade kann man noch acht weitere Steinfiguren entdecken, die Mitglieder des Ordens waren:

  • Neben der Muttergottes knien die Figuren der Katharina von Siena und der Agnes von Montepulciano.
  • Die Statuen von Ludwig Bertrand und Rosa von Lima sind in Nischen des Untergeschosses untergebracht
  • Im Obergeschoss wachen Hyazinth von Polen und Vinzenz Ferrer.
  • An den Ecken des Obergeschosses stehen schließlich die Statuen der bedeutendsten Gelehrten der Dominikaner, Albertus Magnus (links) und Thomas von Aquin (rechts).

An der Westfassade ist ein Spruch angebracht, der sich auf einige der genannten Figuren bezieht: "Dem großen Gott, der großen Mutter Maria vom Rosenkranze, den heiligen Dominikus, Katharina von Siena, allen Heiligen, wurde dieser Tempel erbaut unter Papst Urban VIII., dem die Christenheit regierenden Kaiser Ferdinand II. und König Ferdinand III. [2]

Durch die Regulierung des Dominikanerplatzes im 19. Jahrhundert wurde das Straßenniveau nach unten verlegt, seither führt eine Treppe in die Kirche.

Das Innere der Kirche

Die Kirche von Innen

Die Dimensionen des Kirchenschiffes betragen in der Länge 46,54 Meter, in der Breite 20,90 Meter und in der Höhe 22,10 Meter.

Der Hochaltar

Der Hochaltar wurde 1839/1840 von Karl Rösner geschaffen, das Altarbild, ein Werk von Leopold Kupelwieser, zeigt die Einsetzung und Feier des Rosenkranzfestes durch Papst Gregor XIII. Der knieende heilige Dominikus nimmt den Rosenkranz entgegen.

Der Tabernakel wurde von Josef Ferstel angefertigt. Rund um den Altar sind Fresken zu sehen, die alle das Thema des Rosenkranzes fortsetzen. Darunter sieht man das Bildnis der Seeschlacht von Lepanto.

In der Kirche gibt es zwei Orgeln, eine auf der Westempore und eine am Chor. Die Orgel der Westempore wurde 1750 erbaut und im Mozartjahr 1991 umfassend restauriert.

Wien - Eine Stadt stellt sich vor

Die Kirche trägt das Schild Nummer 6 der Aktion "Wien - Eine Stadt stellt sich vor".

Bild Sehenswürdigkeit Text der Tafel
DOMINIKAR CHURCH-VIENNA-Dr. Murali Mohan Gurram (4).jpg 6, Dominikanerkirche Dominikaner-

kirche
Basilika minor ad S. Mariam Rotondam
1631 - 1634 unter der Bauführung von
Jakob Spatz, Cipriano Biafino und
Antonio Canevale erbaut



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Folge der Sehenswürdigkeit Nr. 7 - "Eine Stadt stellt sich vor": Evangelische Kirche HB

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Quellen

  1. Gustav Adolph Schimmer: Das alte Wien: Darstellung der alten Plätze und merkwürdigsten jetzt größtentheils verschwundenen Gebäude Wien's nach den seltensten gleichzeitigen Originalen, 4. Heft, Zamarski, Wien, 1854, S. 4 ff
  2. "http://wien.dominikaner.org/fileadmin/user_upload/Dominikaner-Wien-Uploads/PDF/Kirchenfuehrer.pdf