Milchgasse 1

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Grund-Information
Milchgasse z05.jpg

Milchgasse 1

Aliasadressen =Milchgasse 1, =Tuchlauben 6, =Petersplatz 8
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 563, 574 | vor 1821: 603, - | vor 1795: 577, -
Baujahr 1897
Architekt Ludwig Richter


Das Gebäude Zum Auge Gottes - Architektur und Geschichte

Seit seiner Neuerbauung 1897 gehört das Haus der Österreichischen Gesellschaft vom Roten Kreuz, die die Errichtung des Gebäudes auch in Auftrag gegeben hatte.

Ehemals hatte das Haus ein Schild, nachdem es benannt war: „Zum Auge Gottes“. Über dem Haustor war das Auge Gottes mit einem Engelskopf zu sehen. Das Haus bestand eigentlich aus zwei Häusern, 574 war jedoch nur ein Nebengebäude des Haupthauses 563, beide Bauten hatten seit dem 15. Jahrhundert immer die gleichen Besitzer. Mitte des 14. Jahrhunderts gehörte das größere Haus einer reichen Familie aus Eslarn.

Ehemaliges Cafe Geringer

1830 befand sich im Erdgeschoß des Hauses das gut besuchte Cafè Geringer mit einem Stammtisch für – meist jüdische - Literaten. Hier trafen unter Anderem Isidor Heler, Julius Seidlitz und Moritz Hartmann zusammen.

Ferdinand Sauter

Ebenfalls befand sich hier eine Niederlassung der Klein Neusiedler Papierfabrik, in der Ferdinand Sauter als Kundenbetreuer arbeitete.

Ferdinand Sauter (6.5.1804-30.10.1854) war Versicherungsbeamter und Dichter. Er kam nach einigen Klasen Gymnasium in Salzburg 1825 nach Wien und arbeitete hier in der Milchgasse als Verkäufer. Er gehörte in dieser Zeit zum Bekanntenkreis von Franz Schubert und Anton Ritter von Spaun.

1839 verlor er seine Anstellung und lebte ein ärmliches Dasein, schrieb aber weiterhin volksliedhafte, schwermütige Gedichte. Seine Freunde verschafften ihm die Gelegenheit bei der Wiener Zeitung und in der Musikzeitung seine Werke zu veröffentlichen, er wurde jedoch durch private Probleme immer verbitterter. Kurz hatte er auch eine Anstellung bei der Niederösterreichischen Assecuranz-Gesellschaft verloren.

Sauter starb an der Cholera. Seine Freunde errichteten ihm einen Grabstein mit einer Inschrift, die Sauter selbst verfasst hatte:

Bild Anlass/Persönlichkeit Text des Grabsteins
Sauter Grabstein.png Sauter, Ferdinand Viel genossen, viel gelitten

Und das Glück lag in der Mitten.
Viel empfunden, nichts erworben,
Froh gelebt und leicht gestorben.
Fragt nicht nach der Zahl der Jahre
Kein Kalender ist die Bahre.
Und der Mensch im Leichentuch,
Bleibt ein zugeklapptes Buch.
Darum Wand’rer zieh doch weiter,
Denn Verwesung stimmt nicht heiter.

Mozart-Wohnung

Im zweiten Stock des Hauses hatte 1781 Wolfgang Amadeus Mozart gewohnt.

Nachdem Mozart durch den Streit mit dem Erzbischof Colloredo seine Wohnung im Deutschen Ordenshaus verlassen musste, suchte er kurzfristig eine neue Unterkunft. Hier bot sich die Familie Weber an, die ein Zimmer zu vermieten hatte, und damit lernet er Constanze, seine spätere Frau kennen. Die Versuche des Vaters, die beiden zu trennen, in dem er seinen Sohn zwang in eine andere Wohnung am Graben 17 zu ziehen (zu Therese Contrini), hinderte Mozart nicht daran, Constanze zu heiraten. In der Zeit im „Auge Gottes“ hat Mozart die Oper „Entführung aus dem Serail“ komponiert, woran eine Gedenktafel erinnert:

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
Milchgasse z01.jpg Mozart, Wolfgang Amadeus In diesem Hause wohnte

Mozart
im Jahre 1781
und komponierte hier seine
Entführung aus dem Serail

Lokale

Das Gutruf

Das Gutruf

Berühmt ist dieses Haus durch das Lokal „Gutruf“. 1877 wurde hier von Leopoldine Gutruf – einer verarmten Fabriksbesitzerin – ein Import-Delikatessen-Geschäft eröffnet, die es 1947 an Hannes Hoffmann (Operettensänger) verkaufte. In den 50er Jahren war die Zentralfigur des Gutrufs Helmut Qualtinger, dessen Freunde (Fritz Wotruba, Alfred Hrdlicka, Hundertwasser, H.C. Artmann, Erich Sokol, Gottfried von Einem, Joschi Holaubek, Helmut Zilk, Leo Mazakarini usw.) sich hier versammelten.

Hannes Hoffmann gilt als Vorlage für das Stück „der Herr Karl“ von Qualtinger und Carl Merz.

Von 1972 bis 1991 führte Rudi Wein das Lokal – er führte die Garküche ein, und machte aus dem Gutruf einen frauenlosen Club (Ausnahmen waren Eva Deissen, Erni Mangold, Louise Martini) – Ehefrauen hatten aus Prinzip keinen Zutritt. Außerdem gab es ein totales Hundeverbot.

1992 kauften Theddy Podgorski, Herbert Völker und Peter Allmayer-Beck das Lokal.


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