Dr.-Karl-Renner-Ring 3

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Grund-Information
Parlament Wien abends.jpg

Das Parlament

Aliasadressen =Dr.-Karl-Renner-Ring 3, =Reichsratsstraße 2, =Rathausplatz 6, =Schmerlingplatz 6
Ehem. Konskriptionsnummer keine - Parade- und Exerzierplatz
Baujahr 1871
Architekt Theophil Hansen, Friedrich Stach


Das Parlament - Architektur und Geschichte

Als 1861 mit dem Februarpatent beschlossen wurde, ein Abgeordnetenhaus zu gründen, musste dieses erst gebaut werden. Vorübergehend eröffnete es daher in der Währinger Straße 2-4.

Blick auf das Parlament um die Jahrhundertwende[1]

1864 wurde endlich der Wettbewerb für den Neubau ausgeschrieben, an dem Heinrich Ferstel, Theophil Hansen und Friedrich Schmidt teilnahmen, den Zuschlag erhielt Hansen. 19 Jahre später, am 4.12.1883 fand die erste Sitzung im Haus statt.

Der Mittelrisalit wird durch eine monumentale Auffahrt betont, vor dieser Rampe steht der von Hansen entworfene (aber erst 1902 aufgestellte) Brunnen der Pallas Athene. An der Rampe wurde 1905 eine Büste von Hansen angebracht, die von Hugo Haerdtl gestaltet wurde. Die sitzenden Statuen stellen antike Geschichtsschreiber dar – links die Griechen, rechts die Römer.

Die Griechen Die Römer
Herodot (von Karl Schwerzek, 1898) Sallust (von Wilhelm Seib, 1896)
Polybius (von Alois Düll, 1899) Caesar (von Josef Beyer, 1900)
Thukydides (von Richard Kauffungen, 1896) Tacitus (von Karl Sterrer, 1900)
Xenophon (von Hugo Haerdtl, 1899) Titus Livius

die Griechen

Herodot,Polybius, Thukydites und Xenopzhon.png

Herodot (ca. 480 bis ca. 435 v.Chr.), der Vater der Geschichtsschreibung, sammelte auf seinen Reisen Informationen, die er dann so neutral wie möglich niederschrieb. Die Statue mit Vollbart und Mantel bekleidet, wurde von Karl Schwerzek geschaffen und ist aus Laaser Marmor.

Polybius (200 - 120 v.Chr.) war der Schaffes einer 40 bändigen Werkes über die Universalgeschichte, das als zentrales Thema Roms Aufstieg zur Weltmacht hatte. Seine Theorien über den Kreislauf der Verfassung dienten später Machiavelli als Basis.

Thukydides (ca. 460 bis ca. 404 v. Chr.) hatte das Ziel, aus der Geschichte Lehren für die Zukunft zu ziehen. Er verfasste das Werk über den Peloponnesischen Krieg.

Xenophons (430 bis 355 v. Chr.) verfasste als aktiver Teilnehmer an Feldzügen Bücher darüber und schrieb auch über die Reitkunst.

Die Römer

Cäsar, Sallust, Tacitus, Tituts-Livius.png

Julius Caesar (100 bis 44 v.Chr.) war nicht nur ein großer Herrscher, er erzählte auch über den gallischen Krieg, Intrigen und geographische Besonderheiten.

Sallust (86 bis ca. 35 v. Chr.), selbst als Politiker und Soldat gescheitert, protokollierte für spätere Staatsherren aktuelle Ereignisse.

Titus Livius (59 v.Chr. bis 17 n.Chr.) beschrieb die Geschichte Roms in 142 Bänden bis Augustus.

Tacitus (55 bis 120 n.Chr.) betrachtete kritisch den moralischen Verfall im Kasierreich und schilderte möglichst objektiv Charaktere.

Weitere Details

Die vier bronzenen Pferdebändiger wurden 1901 von Josef Lax gestaltet. Über dem Portal befindet sich im Dreiecksgiebel ein Kunstwerk von Edmund Hellmer, die „Verleihung der Verfassung an die Völker der 17 Kronländer Österreichs durch Franz Joseph I.“. Der Kaiser wird hier in römischer Toga dargestellt. In den kleinen Giebeln befinden sich ebenfalls Gruppen: Links die „Justiz“ von Hugo Haerdtl, rechts die „innere Verwaltung“ von Johannes Benk. Auf der Attika stehen 60 Statuen, jede von ihnen stellt einen anderen berühmten Mann des Altertums dar.

Das Parlament ist durch einen unterirdischen Tunnel mit dem Haus Reichratsstraße 9 verbunden, dort befinden sich technische Räume, ein Restaurant und die Hauptküche.[2]

Pallas-Athene-Brunnen

Der Brunnen wurde 1870 von Theophil Hansen entworfen, umgesetzt wurde er bis 1902 von Carl Kundmann, Josef Tautenhayn und Hugo Haerdtl.

Die griechische Göttin der Weisheit dominiert 5 Meter hoch den Brunnen, sie hält in der rechten Hand eine Nike-Statue. An den Seiten der Säulen verweilen zwei sitzende weibliche Figuren, die Allegorien für die gesetzgebende und die ausübende Gewalt, umringt sind sie von Flussgöttern: die Donau als Frauengestalt, der Inn als bärtiger Mann, die Elbe und die Moldau als sich zwei umarmende Frauengestalten. Begleitet werden sie von zwei auf Delphinen reitenden Knaben.

Gedenktafeln

Koloman Wallisch

Auf Seite der Reichsratsstraße ist am Parlament eine Gedenktafel für den Abgeordneten und Gewerkschafter Koloman Wallisch (1889-1934) angebracht, die von Rudolf Kedl gestaltet wurde:

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
Koloman Wallisch GT.png Wallisch, Koloman Koloman Wallisch

Abgeordneter zum Nationalrat
geboren 1889 hingerichtet 1934
Er starb für seine Gesinnung

Bert Brecht schrieb eine Kantate auf ihn:

Im Februar vierunddreißig
Der Menschlichkeit zum Hohn
Hängten sie den Kämpfer
Gegen Hunger und Fron
Koloman Wallisch
Zimmermannsohn.

Dreizehn Ermordete - weitere Gedenktafeln für NS-Opfer

Geht man in Richtung des Oberen Vestibüls, entdeckt man eine Gedenktafel, die zwölf Namen aufzählt. Es handelt sich um jene Parlamentarier, die zwischen 1938 und 1945 vom nationalsozialistischen Regime ermordet wurden. Die Tafel wurde am 11.3.1988 durch Leopold Gratz, zu der Zeit Präsident des Nationalrates, enthüllt. Eine weitere Tafel am Seiteneingang des Parlaments erinnert an Otto Felix Kanitz, der ebenfalls in einem KZ umgebracht wurde.

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
12 Parlamentarier.jpg Danneberg, Robert

Falle, Anton
Janicki, Oskar
Kanitz, Otto Felix
Klimberger, Karl
Knapp, Karl
Prodinger, Hans
Schlesinger, Paul Johannes
Steidle, Richard
Stein, Viktor
Stricker, Robert
Sylvester, Hans

Robert Danneberg

Anton Falle
Oskar Janicki
Otto Felix Kanitz
Karl Klimberger
Karl Knapp
Hans Prodinger
Paul Johannes Schlesinger
Richard Steidle
Viktor Stein
Robert Stricker
Hans Sylvester

Kanitz GT.jpg Kanitz, Otto Felix Otto Felix Kanitz

1894 - 1940
Ermordet im KZ Buchenwald wegen seiner
Gesinnung und seiner Abstammung



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Quellen

  1. Wien seit 60 Jahren, ein Album für die Jugend, Gerlach&Wiedling, Wien, 1908
  2. http://www.albertmilde.com/deu/epstein.html