Bellariastraße 1

Aus City ABC
(Weitergeleitet von Maria-Theresien-Platz 2)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Grund-Information
Naturhistorisches Museum Wien - Panorama.jpg

Naturhistorisches Museum

Aliasadressen =Bellariastraße 1, =Burgring 7, =Museumsplatz 3
Ehem. Konskriptionsnummer keine - Glacis vor der Hofburg
Baujahr 1871-1881
Architekt Karl Hasenauer, Gottfried Semper; Bauleitung: Felix Zamboni


Das Naturhistorische Museum - Architektur und Geschichte

Figruen am Dach

Das Naturhistorische Museum ist das Gegenbild zum Kunsthistorischen Museum, es unterscheidet sich äußerlich nur gering. Es wurde zwischen 1871 und 1881 von Carl von Hasenauer und Gottfried Semper im Stil der Neorenaissance erbaut und ist 170 mal 70 Meter groß.

Auf der Attika stehen Statuen bedeutender Naturforscher, der Haupteingang ist mit allegorischen Sitzfiguren flankiert, die die Erteile darstellen (Asien, Afrika, Europa, und Amerika mit Australien – sie wurden von Carl Kundmann geschaffen.

Die Eingangshalle mit Kuppel

Auf der Hauptkuppel, die 65 Meter hoch ist, ist der Sonnengott Helios (Symbol des allbelebenden Elementes in der Natur) in Bronze von Johannes Benk angebracht, um die Kuppellaterne herum thronen vier Figuren, die die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft darstellen (von Johann Jakob Silbernagl).

Das Museum ist mit 250 Bildwerken verziert, das Konzept dafür wurde von Gottfried Semper entworfen. Er bildete mit 35 Porträtfiguren, 64 Porträt-Köpfen und zahlreichen Medaillons die naturgeschichtliche Entwicklung seit der Antike ab. Auf der Balustrade stehen 34, drei Meter hohe, Figuren von Naturforschern. Die Inschrift am Museumseingang lautet: "Dem Reiche der Natur und seiner Erforschung - Kaiser Franz Josef I - MDCCCLXXXI".

Die Geschichte des Museums

Im Museum ist die größte naturwissenschaftliche Sammlung Europas untergebracht, die auf der Privatsammlung von Kaiser Franz I., dem Mann Maria Theresias, (Ankauf der Sammlung von Johann Ritter von Baillou) aufgebaut wurde. Diese war ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, nach dem Tod von Kaiser Franz I. beschloss jedoch Maria Theresia, sie an zwei Tagen der Woche zugänglich zu machen. 1776 berief Maria Theresia, mit dem Hintergrund, den Bergbau und die Industrie zu fördern, den Geologen Ignaz von Born nach Wien. Der führende Aufklärer und Freidenker (der eventuell sogar als Vorbild für Sarastro in der Zauberflöte gedient haben könnte) bekam den Auftrag, die Sammlung zu strukturieren und baute das Naturalienkabinett auf.

Kaiser Franz II., selbst Naturliebhaber, erweiterte die Naturaliensammlung um ein Tierkabinett, wobei er die Jagdtrophäen der Habsburger in die Sammlung integrierte. Neben zahlreichen Tieren, die der Mode entsprechend in ihrer natürlichen Umgebung ausgestellt wurden, gab es auch Stopfpräparate von Menschen fremder Rasse, so wurde auch der kaiserliche Mohr Angelo Soliman ausgestellt.

Nachdem die Sammlung sich immer mehr erweiterte, wurde die Platznot immer größer, und als 1848 ein Teil der Hofburg durch die kaiserlichen Truppen beschossen wurde (Oktoberaufstand) und damit ein Teil der Sammlung verbrannte, beschloss man, die Sammlung in eigenen Räumlichkeiten unterzubringen. So wurde die Entscheidung getroffen, die Museumsgebäude zu bauen – einerseits, um alle Exponate zentriert zeigen zu können, andererseits wollte sich damit das zerfallende Habsburgerhaus noch ein Denkmal setzen.

Der Tiefenspeicher

Da die Sammlung auch heute noch immer größer wird und auch Forschung in den Räumen stattfindet, wurde 1990 ein Tiefenspeicher angelegt, der sich über vier Ebenen erstreckt. Durch den Dachausbau 1991 bis 1995 wurden weitere Sammlungs- und Forschungsräume geschaffen.

Innenausstattung

Das Naturhistorische Museum ist etwas schlichter als das Kunsthistorische Museum ausgestattet: Auch hier gibt es die Kuppelhalle und ein Treppenhaus mit einem Deckengemälde („Der Kreislauf des Lebens“) und 12 Lünettenbilder von Hans Canon.

An einigen Pfeilern des Stiegenhauses befinden sich sieben (1888 vollendete) lebensgroße Marmorstandbilder berühmter Naturforscher (Aristoteles, Cuvier und Kepler von Kundmann, Berzelius und Humboldt von Weyr, Linne und Newton von Tilgner und Werner von Zumbusch).

Auf dem Podest der Haupttreppe erinnert das Gemälde „Kaiser Franz I. mit den Vor-ständen der vier wissenschaftlichen Hofinstitute" (Bibliothek: Gerhard van Swieten; Naturwissenschaftliches Kabinett: Johann Ritter von Baillou; Münzkabinett: Valentin Duval; Physikalisch-astronomisches Kabinett: Abbé Jean François de Marcy) an die Gründung der Sammlungen.

Durch den Tod von Semper 1879 stellte Hasenauer die Inneneinrichtung alleine fertig, dabei verwendete er dennoch die Ideen Sempers: Die Wandbilder in den Schausälen von bedeutenden österreichischen Landschaftsmalern sollten die Wirkung der Exponate verstärken.

Sammlungen und Exponate

Das Museum ist in Abteilungen für mineralogisch-petrographische (Edelsteine und eine der größten Meteoritensammlungen der Welt), geologisch-paläontologische (Saurierskelette, die größte bekannte Meeresschildkröte, Höhlenbären und Hundsheimer Nashorn), botanische (mit Pilzmodellen), zoologische, anthropologische und prähistorische Objekte unterteilt. Das bekannteste Stück der Sammlung ist die Venus von Willendorf, die 25.000 Jahre alt ist.

Ausstellungssaal

Die Abteilungen und Sammlungen sind auch örtlich gegliedert: Im Hochparterre sind die unbelebten Sammlungsstücke ausgestellt.

In den Sälen 1 – 5 sind Mineralien, Bau- und Dekorsteine zu sehen, zeigen aber auch Edel- und Schmucksteine, wie Nuggets aus Gold und Platin und einen Edeltopas mit 117 Kilo. Die Meteoritensammlung enthält 900 Objekte, darunter Youndegin-Eisen und die Meteoriten Knyahinya und Hraschina. Die Sammlung gehört zu den bedeutendsten der Welt, weil sie die Reichhaltigkeit an Mineralien der Länder zeigt, die damals zum Habsburgischen Reich gehörten.

Mineraliensammlung

Der Kaisersaal (Saal 6), der dem Planeten Erde gewidmet ist, wurde im August 2009 im Rahmen der 120-Jahr-Feier des Museums neu eröffnet. Hier ist das Museum modern geworden, es gibt interaktive Stationen und Animationen, wie die Reise eines Wassertropfens über einen Zeitraum von 2000 Jahren, oder selbst die Explosion eines Vulkans zu verursachen.

Die Erdzeitalter und die Entwicklungsgeschichte des Lebens sind in den Sälen 7 – 9 verfolgbar, Vom Präkambrium (Erdfrühzeit) über das Erdmittelalter mit Saurierskeletten, Ammoniten und behaarten Flugsauriern bis zur Erdneuzeit mit einer „Pferdemaschine“ (die Entwicklung des Pferdes wird in einer Animation gezeigt) sind beeindruckende Modelle und Ausstellungsstücke zu sehen.

Saurier

In Saal 10, der 2011 neu gestaltet wurde, sind die Saurier zu sehen, besonders beeindruckend sind die Skelette der Langhalssauriers Diplodocus und des Allosaurus (9 Meter lang, er bewegt sich neuerdings). Auch die größte Schildkröte, die je gefunden wurde, ist hier zu sehen, sie ist 4,5 Meter lang.

In den Gängen des Hochparterres sind zwei Themengebiete abgedeckt: links von der Hauptstiege sieht man die Entwicklung der Eiszeit, rechts die Grundlagen der Evolution.

Die Säle 11 – 15 zeigen die urgeschichtliche Schausammlung, von der Altsteinzeit bis zum frühen Mittelalter, hier sind auch die Venus von Willendorf und Fanny vom Galgenberg zu sehen.

Die Säle 22 und 23 beschäftigen sich mit wirbellosen Tieren – vom Einzeller bis zum Krebs. Neben Muscheln, Korallen, Schnecken und Würmern kann man hier Nachbildungen von Quallen aus Glas und alte Wachsdarstellungen menschlicher Wurmparasiten sehen.

Das Naturhistorische Museum ist das einzige weltweit, das eine systematisch aufgebaute Insektensammlung besitzt. In Saal 24 sind einige der 10 Millionen Objekte ausgestellt – genaugenommen 50.000 Käfer, Fliegen und Heuschrecken in 224 Vitrinen. Der Schmetterlingsbereich wurde mit besonderen Beleuchtungseffekten neu gestaltet.

In den Sälen 25 – 39, im obersten Stockwerk, ist die zoologische Schausammlung untergebracht. Hier sind 600 Säugetiere, 3.200 Vögel, 700 Fische und 500 Kriechtiere zu sehen, die teilweise schon ausgestorben sind, zumindest aber sehr selten. Zum Beispiel die Dronte (ausgestorben seit 1680), der Riesenalk (seit 1844 nicht mehr existent) oder der Beutelwolf.

Mehr zu sehen ist in dem Video von Adamon von Eden: https://archive.org/details/Naturhist.MuseumWien



Gehe weiter zu Bellariastraße 2 | Einfriedung der Hofburg

Gehe zurück zu Bellariastraße | Burgring | Museumsplatz| | Straßen des 1. Bezirks