Liliengasse 3

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Grund-Information
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Liliengasse 3

Aliasadressen =Liliengasse 3, =Weihburggasse 9
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 908 | vor 1821: 964 | vor 1795: 940
Baujahr 1911
Architekt Ignaz Reiser / Galerie Würthle: Carl Auböck


Das Theater im Zentrum - Architektur und Geschichte

Auch dieses Haus wurde im spätsezessionistischen Stil 1911 erbaut. In ihm befindet sich heute das Theater im Zentrum, das eine bewegte Geschichte hatte.

Das Theater im Zentrum

Das Theater in der Liliengasse war einstmals das Moulin Rouge, bevor es in die Mahlerstraße übersiedelte. Im Dritten Reich spielte das „Wiener Werkel“ als einziges systemkritische Kabarett hier. Nach dem Krieg übernahm es Gerhard Bronner und führte es als „Intimes Theater“, hier trat Waldbrunn auf. In den 1950er Jahren entstand das „Wiener Kabarett“, auch „Neues Wiener Werkel“, das bis 1964 bestand und damals vom Theater an der Jugend übernommen wurde.

Das Wiener Werkel

Gegründet wurde das Wiener Werkel vom Wiener Schauspieler Adolf Müller-Reitzner 1939 – und schaffte bis zur allgemein verhängten Theatersperre im Herbst 1844 die Aufführung von zehn Programmen. Zu den Autoren gehörten Rudolf Weys und Franz Paul, aber auch Kurt Nachmann und Fritz Eckhardt, die beide unter einem Pseudonym schreiben mussten, um der politischen Verfolgung zu entgehen. Josef Meinrad und Erich Nikowitz schafften es – neben vielen anderen Darstellern – mit versteckter Ironie und Widerstand die Zeit zu kritisieren.

Namenloses Ensemble und Intimes Theater

Nach dem Krieg, ab 1952, übernahm das „Namenlose Ensemble“ das Theater, das von Gerhard Bronner gegründet wurde. Mit Michael Kehlmann, Peter Wehle und Helmut Qualtinger stellte es eine starke Konkurrenz zum Simpl dar, die Kabarettisten schrieben ihre Texte, komponierten und musizierten selber. Als Kehlmann und Bronner nach Hamburg gehen wollten, um im einzigen deutschsprachigen Fernsehstudio zu arbeiten, sperrte das Theater für ein Jahr, und eröffnete schließlich 1956 als „Intimes Theater“ unter der Leitung von Bronner und Georg Kreisler, mit ins Team nahmen sie Luise Martini. 1959 übersiedelte das Team in das Neue Theater am Kärntnertor – und löste sich nach dem Abgang von Qualtinger, Martini und Merz auf.

Die bekanntesten Chansons aus dieser Kabarett-Zeit sind „Der g‘schupfte Ferdl“, der Bundesbahnblues“ und „Der Papa wird’s schon richten“.

heute

Seit 1964 wird das Theater vom „Theater der Jugend“ genutzt. Die erste Eigenproduktion war das Stück Kabale und Liebe mit Monica Bleibtreu in der Hauptrolle. Seit-her gehört das Kinder- und Jugendtheater zu den drei erfolgreichsten Theatern und als Sprungbrett für Jungregisseure und –schauspieler.

Vorgängerhäuser

Bevor der Neubau entstand, war hier der Lilienfelder Hof:

Der Lilienfelder Hof

Das Stift Lilienfeld hatte an mehreren Orten ihr Kloster – das erste schon 1260 zwischen Heiligenkreuzerhof und Dominikanerkloster, danach am Fleischmarkt, schließlich in der Singerstraße in Höhe der Kumpfgasse. Letzteres musste den Franziskanern übergeben werden, im Tausch erhielten sie 1622 das Krennbergersches Freihaus, ehemals auch der St. Pöltner Hof.

Der damalige Abt, Dominik Pekensdorfer, ließ das alte Haus abreißen und in neues erbauen, nur stattete er dieses innen so prächtig aus, dass der Stift in große finanzielle Schwierigkeiten geriet. Am 13.9.1810 brannte der Hof, die Ruinen wurden im Rahmen einer Versteigerung an Karl Graf Strachwitz um 260.000 Gulden verkauft. Dieser gab es an die Enkelin des bekannten Buchdruckers, Regina Edle von Trattnern, weiter. Als das Gebäude 1911 von H. Werner gekauft wurde, ließ er es abreißen und das heute hier stehende Gebäude errichten.

Galerie Würthle

Auf Seite der Weihburggasse befindet sich die älteste noch bestehende Kunsthandlung Wiens, nämlich die 1865 gegründete Galerie Würthle. Die Galerie förderte seit ihrem Bestehen zeitgenössische Kunst. Die Familie, die die Galerie gegründet hatte, nahm ab 1919 Teilhaber hinzu. 1976 erwarb Hans Dichand, der Herausgeber der Kronen-Zeitung und ambitionierter Kunstsammler, die Galerie. Bis 1995 war die Galerie im Besitz der Familie Dichand.

Die Inneneinrichtung der Galerie wurde durch den Architekten Carl Auböck gestaltet.


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