Kriminalfall: Julius Franz Kusterer, der Geldfälscher

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KRIMINALFALL: Julius Franz Kusterer, der Geldfälscher was ist hier zu finden
Zwei Gulden 1811.jpg
Verbrechen: Fälschung

Geldfälschung aus jugendlichem Leichtsinn


Julius Franz Kusterer war früh Halbwaise, aber im Zeichnen sehr talentiert. In Augsburg lernte er sein Handwerk, vor allem Figuren und Landschaften gelangen ihm gut. Zunächst arbeitet er als Tagschreiber im Landesgericht Göckingen, dann beim Universitätsbuchdrucker Herder in Freiburg. Durch den Sekretär von Metternich, dem Herrn von Pilat, begleitete er die Napoleonischen Feldzüge. Die Russen versuchten, ihn als Spion anzuwerben – dieser Versuchung widerstand er, weshalb er wegen treuer Pflichterfüllung belohnt wurde.

Im Sommer 1814 kam er nach Wien und fand Arbeit bei einem Kunsthändler namens Tranquillo Mollo. Im Oktober 1916 wurde er plötzlich stellungslos und geriet in Not. Da kam er auf die zündende Idee: Er verkauft alle Wertgegenstände, die er noch besaß, zog in die Vorstadt, und ließ sich um sein letztes Geld eine Zinnplatte von einem Zinngießer anfertigen. Mit einer Radiernadel und einem Grabstichel machte er sich an die Arbeit und übertrag von Hand die Zeichnung der Banknote auf die Platte. Anstelle einer Walze oder Presse verband er zwei Nudelwalker mit einem Riemen und fertigte so – mit einfacher Druckerschwärze – Geldscheine. Die Unterschrift des Grafen Wrbna fälschte er mit einer Tuschefeder. Gesamt stellte er so 36 Scheine her.

An einem kalten Dezemberabend im Jahr 1816 – im Jahr der großen Teuerung – saß im Wirtshaus zum grünen Kranz auf der Windmühle der junge Mann Kusterer, etwas verhärmt, in zerschlissener sommerlicher Kleidung. Seine bescheidene Zeche bezahlte er mit einem Zwei-Gulden-Schein, der misstrauische Wirt hielt diesen gegens Licht und erkannte die Fälschung.

In der Polizeistation von Mariahilf gab Kusterer zu, die Note selbst angefertigt zu haben – mehr als 20 Scheine hatte er da schon in Umlauf gebracht. Bei der Wohnungsdurchsuchung auf der Laimgrube Nr. 78 (dort wohnte er bei der Postillonsfrau Katharina Schmid) fand man im Stroh des Bettes versteckt die Geräte zur Herstellung der Banknoten.

Bereits am 20.Dezember wurde er dem Kriminalgericht übergeben, die Untersuchung wurde am 17.Juni 1817 abgeschlossen.

Der untersuchende Rat Gulielmo entschied, dass der Schaden als geringfügig eingestuft werden könne: Einerseits war die Fälschung leicht zu erkennen (es wurde einfaches Papier verwendet), andererseits verzichteten die Geschädigten auf Ersatz. Aufgrund der Jugend des Täters und dessen Mittellosigkeit (es wurde kein Heller bei ihm gefunden) plädierte er auf Milderung. Das Gericht verhängte jedoch die Todesstrafe: „Da indessen dem strenge an das Gesetz gebundenen unteren Richter die Würdigung dieser Milderungsgründe nicht zusteht, so ist nach seiner Meinung der Inquisit mit dem Tode zu bestrafen und diese Strafe an ihm mit dem Strange zu vollziehen." Nach Vorlage beim Obergericht wurde das Urteil ein halbes Jahr später in eine zehnjährige Haftstrafe umgewandelt. Er saß im Provinzialstrafhaus Leopoldstadt und war einer der „belobtesten Sträflinge“, verfiel aber sichtbar dem „Siechtume“.

Als seiner Schwester Cleopha 1822 zu Ohren kam, dass es ihrem Bruder so schlecht ging, fuhr sie nach Wien und suchte beim Kaiser um Audienz an, die sie nach wenigen Tagen auch bekam.

„Als Kaiser Franz im Saale unter den Supplikanten die Runde machte und die Reihe an Cleopha Kusterer kam fiel sie dem Monarchen zu Füßen und bat mit rührenden Worten um die Freiheit des Bruders. ' Stehen Sie auf', sagte gerührt der Kaiser, ' Knien Sie vor Gott und nicht vor mir.' Dann hörte er, was ihm Cleopha Kusterer zu sagen hatte und wandte sich von ihr mit den Worten: ‚Gehen Sie mit Gott, ich werde sehen, was ich tun kann.' "

Der Kaiser hielt sein Versprechen: Am 22.2.1822 wurde Kusterer bei gleichzeitiger Ausweisung aus Österreich begnadigt und lag drei Tage später schon in den Armen seiner Schwester. [1]



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Quellen

  1. Susanne Feigl, Christian Lunzer: Das Mädchenballett des Fürsten Kaunitz: Kriminalfälle des Biedermeier, Verlag der Österreichischen Staatsdruckerei, Wien, 1988, S. 143-147