Kriminalfall: Josef Wrbik – doch kein braver Beamter

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KRIMINALFALL: Josef Wrbik – doch kein braver Beamter was ist hier zu finden
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Verbrechen: Mord

Frauen mit liderlichem Leben darf man töten...


Um 6:15 Uhr, am Morgen des 9.3.1931, fanden Passanten - darunter der Hilfsarbeiter Eduard Fuchs - in der Krummgasse 2, im 3. Bezirk, etwas, das aussah, als wären es zwei Beine, das eine war noch teilweise mit Packpapier umhüllt. Die Polizei fand unter einem der Stümpfe Fragmente eines Briefes – zu sehen war nur mehr der Poststempel, eine Adresse einer Frau und der Absender. Dieser Brief war der einzige Anhaltspunkt für die Polizei.

An der angegebenen Adresse wurde niemand vorgefunden, Nachbarn wiesen jedoch darauf hin, dass die Abgängige mit einem Kanalräumer namens Josef Wrbik ein Verhältnis gehabt hätte.

Josef Wrbik, der am 4.12.1881 in Toleschowitz in Böhmen geboren wurde, wurde - mit der damals neuen Methode der Fingerabdruckerkennung - bald ausfindig gemacht: seine Arbeitsstätte war das Magistratische Bezirksamt 1030 in der Sechskrügelgasse. Die Durchsuchung der Arbeitsräume ergab mehrere Blutfunde an Kleidung, am Vorhang, an einem Krampen und an einer Schaufel. Auch am Boden waren verblasste Blutflecke zurückgeblieben. Von dem Raum aus führte eine Treppe in den Keller, wo die Beamten eine blutige Damenhose – und unter Kellergerümpel schließlich auch den Rumpf einer Frauenleiche - entdeckten. Zeitgleich fanden Passanten im Brunnen des Karl-Borromäus-Platz, in Packpapier gehüllt, zwei Frauenarme, und nicht weit davon einen schwarzen Schnürstiefel.

Im anschließenden Verhör gestand Wrbik, dass er in der Nacht von 6. auf den 7. März 1931 eine Frau, die er in einem Gasthaus kennengelernt hätte, erschlagen hätte. Im Inspektionszimmer habe er sie schließlich zerstückelt. Ausschlaggebend für die Tat war, dass die Dame ihm unbezahlten Sex verweigert hatte.

Die daktylokopische Abteilung des Erkennungsamtes stellte inzwischen anhand der Fingerabdrücke feste, um wen es sich bei der Leiche handelte; Die Ermordete war die Hilfsarbeiterin Marie Novacek aus Böhmen, die schon mehrfach wegen Trunksucht und Prostitution bestraft worden war.

Der voll geständige Josef Wrbik wurde natürlich vor Gericht gestellt – er, als unbescholtener Beamter der Stadt Wien, der 30 Jahre treu gedient hatte, hatte eine Frau mit verkommenem Charakter, die reizbar und streitsüchtig war, ermordet. Das Urteil war dementsprechend milde - und nur mit 7 Jahren Kerker bemessen. Nachdem die Staatsanwaltschaft allerdings Berufung eingelegt hatte, wurde die Strafe auf 12 Jahre angehoben. Nach 8 Jahren wurde Wrbik wegen guter Führung bedingt entlassen. [1], [2]




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Quellen

  1. Harald Seyrl: Tatort Wien, 2. Band, Die Zeit von 1925 - 1944, ISBN 3-911697-10-1, S. 68f.
  2. Andreas Pittler: Mischpoche: 14 Wiener Kriminalgeschichten. ebook: https://books.google.at/books?id=SwRI7TUlsGUC&dq=wrbik+josef&hl=de&source=gbs_navlinks_s