Kriminalfall: Graf Baillet von Latour und das Gaskandellaber

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KRIMINALFALL: Graf Baillet von Latour und das Gaskandellaber was ist hier zu finden
Baillet von Latour.jpg
Verbrechen: Mord an einem Volksfeind

Lynchjustiz der Wiener an einem Minister verursacht die Oktober-Revolution 1848.


Theodor Graf Graf Baillet von Latour (* 15. Juni 1780 in Linz; † 6. Oktober 1848 in Wien) trat 1787 - bereits mit sieben Jahren - in die Theresianische Militärakademie in Wiener Neustadt ein, und wurde sehr früh mit Generalstabsaufgaben betraut. Er nahm an zahlreichen Schlachten teil, wie in den Befreiungskriegen 1797, in der Schlacht von Marengo und der Schlacht von Ulm, wo er in Gefangenschaft geriet, bis er 1848 als Kriegsminister in der konstitutionellen Regierung von Österreich ein Amt bekam.

In dieser Funktion wollte Latour zur Unterstützung des kroatischen Adligen Joseph Jellacic ein Wiener Bataillon entsenden, das aufständische Ungarn bekämpfen sollte. Aufrührerische Teile der Wiener Bevölkerung versuchten das zu verhindern und stürmten das k.u.k Kriegsministerium Am Hof. Latour wurde gelyncht und an einem Gaskandellaber gehängt.

Das Wort „laternisieren“ wurde (angeblich wegen diesem Vorfall) zum geflügelten Ausdruck in Wien, sich für die Ausnutzung staatlicher Autorität zu rächen, in dem man diese Vorgangsweise auch Anderen androhte.

Der Anschlag vom 6.10.1848 führte zur Abreise des Kaiserlichen Hofes aus Wien und stellt den Beginn des Wiener Oktober-Aufstandes dar.


Auch dem Laternenpfahl erging es nicht gut.

Er wurde – nachdem Latour sieben Stunden darauf hing – ebenfalls zum Tode verurteilt: Aus dem Laternenanzünder-Postenbuch der englischen Gasgesellschaft ist folgendes handschriftliches Zitat erhalten: „Der vor dem Hofkriegsrätlichen Gebäude aufgestellt gewesene Candelaber wurde wegen der am 6.Oktobier 1848 vom Grafen Baillet de Latour, k.k. Feldzeugmeister und Kriegsminister, verübten schändlichen That am 1. November 1848 vom k. k. Militär vernichtet“. [1]



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Quellen

  1. Harald Havas: Wiener Sammelsurium, Metro Verlag, S. 14