Kriminalfall: Else Plainacher - Hexerei

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KRIMINALFALL: Else Plainacher - die einzige Hexenverbrennung Wiens was ist hier zu finden
BERMANN(1880) p0884 Die einzige Hexenverbrennung zu Wien.jpg
Verbrechen: Hexerei

Else Plainacher, die eigentlichen Verbrecher waren Georg Schlütterbauer und der Jesuit Georg Scherer

Elsa Plainacher wurde bei Melk (in Pielamund) als Elisabeth Holtzgassner im Jahr 1513 geboren. Ihre Eltern betrieben eine Mühle, in der auch der Mühlhelfer Hoisl arbeitete. In sehr jungen Jahren wurde Elsa von ihm geschwängert, das Kind durfte jedoch gestorben sein, da es im weiteren Lebenslauf nicht mehr zum Vorschein kommt.

Elsa heiratete mehrmals – in erster Ehe (der Mann dürfte früh gestorben sein) war es ein Müller namens Paumgartner, aus der zweiten Ehe stammen zwei Kinder (Achatius, der die Mühle des Vaters übernahm und Margareth), die dritte Ehe führte sie mit einem Kleinhäusler namens Plainacher. Als Besitzloser bewirtschaftete Plainacher einen herrschaftlichen Hof (vermutlich den Gschwendthof in Rammersdorf).

Die Tochter, Margareth, heiratete um 1550 den Bauern Georg Schlutterbauer und bekam mit ihm drei Kinder (Catharina, Ursula und Hansel) – und als Nachzüglerin nach 10 Jahren Anna. Die Mutter Margareth starb im Kindbett, nahm jedoch Elsa noch das Versprechen ab, sich um Anna zu kümmern, da Georg Alkoholiker war und zu Gewalttätigkeit neigte. Innerhalb eines Jahres starben alle drei Kinder, die bei Georg geblieben waren aus unerklärlichen Gründen in der Nacht. Nur Anna, die bei ihrer Großmutter lebte, blieb am Leben. Georg begann, seine Schwiegermutter als Hexe anzuschwärzen – sie war im katholischen Österreich zum Protestantismus übergetreten, was einer der Anzeigegründe war, weiters verhexe sie sein einziges Kind, in dem sie es für den Teufel abrichte (in protestantische Messen mit ihm ging).

Anna war von Geburt an etwas schwachsinnig und epileptisch – die Epilepsie galt in damaliger Zeit als Teufelsbesessenheit – und wurde mehrmals verhört. Sie gab an, dass ihre Großmutter im Stall Schlangen mit Milch gefüttert hätte (anzunehmen ist, dass eine Schlange den Weg zur Milch gefunden hat, die eigentlich für Katzen aufgestellt wurde) und dass ihr durch Plainacher ein großer schwarzer zotteliger Mann (vermutlich ein Brautwerber) vorgestellt wurde. Elsa hätte gefragt „Annele – willst ihn haben?“ Anna sagte aus, der Teufel sei in einen Apfel geschlüpft, den man ihr zu essen gab, um sie so gefügig zu machen; ein uneheliches Kind von Anna soll von der Großmutter zum Wettermachen verwendet worden sein. Aufgrund dieser Aussagen wurde Anna dreimal exorziert (insgesamt mussten 12.651 Teufel aus Annas Körper vertrieben werden) was scheinbar keine Besserung brachte – danach erkannt man in Wien die Schwachsinnigkeit und sperrte sie ins Bürgerspital.

Doch Georg Schlütterbauer gab nicht auf: Er bedrängte die Obrigkeit immer mehr, sodass Elsa 1583 doch noch festgenommen wurde. Die Priester und Ärzte beurteilten sie lediglich als alt und bei schwachem Verstand, auch sie sollte ins Bürgerspital gebracht werden.

Der tiroler Jesuit Georg Scherer, der zur damaligen Zeit am Stephansplatz Hetzpredigten gegen Hexen im Allgemeinen und Plainacher im Speziellen hielt, sorgte dann dafür, dass Plainacher doch verhaftet wurde. Antrieb hinter der Machenschaft war wohl hauptsächlich die Gegenreformation, Elsa dürfte Georg mehrmals als „Crotten“ und Papischtischen Hund“ bezeichnet haben. Als Verursacherin der Besessenheit von Anna wurde gegen Elsa Klage erhoben, es kam dann – zur „zauberischen Schädigung der Enkelin“ – noch der Giftmord an ihrem Mann und an ihren drei Enkelkindern hinzu, die Kirche bezichtigte sie der Beleidigung des Schöpfers und des Vergehens gegen die göttliche Majestät.

Im Keller des Malefizspitzbubenhauses in der Rauhensteingasse wurde Elsa dreimal gefoltert und verhört – und gab alles zu, was man von ihr hören wollte. Am 27.9.1583 wurde sie auf ein Brett gebunden und am Schwanz eines Pferdes bis zur Hinrichtungsstätte an der unteren Weißgerberlände (damals Gänsweyd) geschliffen. Dort wurde sie, nachdem man Haut und Haare mit Schwefel eingerieben hatte - bei vollem Bewusstsein am Scheiterhaufen verbrannt, ihre Asche wurde in die Donau (heute Donaukanal) gestreut.

Die Enkelin, Anna, wurde von Gönnern in das Barbarastift (Postgasse) gegeben – eine andere Version erzählt, sie wurde in einem der berüchtigten Badehäuser gesehen. Da auch das Barbarastift in Wahrheit ein Freudenhaus war, ist die Karriere von Anna wohl klar.

Der Jesuit Scherer starb 1605, als er bei einer ähnlichen Hetzrede in Linz auf der Kanzel stehend vom Schlag getroffen wurde.

Georg sah seine Tochter nie wieder. Es bleibt anzunehmen, dass er mit seiner Verhetzung von seinen eigenen Straftaten ablenken wollte: den mysteriösen Todesfällen seiner drei Kinder (untersucht wurden diese Fälle nie).

Im 22. Bezirk wurde eine Gasse nach Elsa benannt – die Elsa-Plainacher-Gasse.



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