Kriminalfall: Der Juliputsch und die Ermordung Dollfuß

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KRIMINALFALL: Der Juliputsch und die Ermordung Dollfuß was ist hier zu finden
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Verbrechen: Mord

Die Ermordnung Dollfuß war wahrscheinlich nicht geplant, aber die gesamte Aktion war ein Desaster und endete schließlich mit dem Tod des Bundeskanzlers

Der Plan

An einem sonnigen Mittwoch im Juli 1934 schlichen Zivilisten in die Bundesturnhalle der Stiftskaserne in der Siebensterngasse. Jeder trug ein Paket oder eine Tasche mit Uniformen der Polizei oder des Bundesheeres. Die Zivilisten waren in Wahrheit Mitglieder der SS-Standarte 89, die aus arbeitslosen Burschen und gescheiterten Studenten entstanden war. Anführer des Trupps war der 24-jährige Fridolin Glass, der aus einer Offiziersfamilie stammte.

Die NS-Truppe hatte für diesen Tag mehrere Pläne geschmiedet: in Velden am Wörthersee sollte der urlaubmachende Bundespräsident Wilhelm Miklas gefangen genommen, in Wien sollte die gesamte Bundesregierung verhaftet und der Rundfunksender in der Johannesgasse sollte okkupiert werden. Nach all diesen Taten sollte der christlich-soziale Anton Rintelen die Macht übernehmen. Doch es kam alles etwas anders…

Schon am Anfang läuft alles schief

Bereits am 24. Juli sollten die Pläne umgesetzt werden, aber die Regierungssitzung wird um einen Tag verschoben, Chaos bricht in der Truppe aus, sie informieren fieberhaft die Zentrale in München und organisieren um. Am 25.7. morgens ist es soweit, die drei Putschisten, die nach Velden fahren sollten, gehen zum Autoverleiher und benehmen sich dort so seltsam, dass der Autoverleiher die Polizei alarmiert. Zwei werden verhaftet, dem Dritten gelingt die Flucht.

Zeitgleich an diesem Morgen bereitet sich Engelbert Dollfuß auf den Ministerrat vor. Dollfuß hatte, nachdem Adolf Hitler am 30.1.1933 in Deutschland die Macht übernommen hatte, vorsorglich das Parlament ausgeschaltet, und ließ – nach einem Bombenanschlag der Nationalsozialisten - am 19.Juni 1933 die Nationalsozialistische Partei in Österreich verbieten.

Während sich 154 SS-Mitglieder mit ihren Uniformen verkleiden, erhält die Staatspolizei schon einen Hinweis auf eine mögliche Aktion. Um 12 Uhr flüstert Emil Fey, der Kanzleramtsminister dem Bundeskanzler ins Ohr, was vermutet wird. Dieser unterbricht die Tagung sofort, der Ministerrat löst sich auf, nur die Staatssekretäre Karwinsky und Zehner sowie Fey gehen mit dem Kanzler in dessen Büro.

Die Stürmung

Inzwischen ist es 12.45 Uhr. Die SS-Putschisten machen sich in acht LKWs auf den Weg in die Innenstadt. Zurück bleibt irrtümlich der LKW mit den Maschinengewehren und Maschinenpistolen – ebenso wie der Anführer Glass, der die Abfahrt verpasst hatte.

Angeführt wird der Konvoy durch ein Privatauto mit Franz Holzweber und Otto Planetta. Im Bundeskanzleramt werden gleichzeitig die Türen geschlossen, die Ehrenwache mit 34 Mann bewacht den Innenhof.

Als die LKWs mit den Uniformierten einlangen, werden für die rettende Unterstützung schnell die Tore geöffnet, die Wächter salutieren, verrammeln die Einfahrt und … werden sofort entwaffnet.

Im Studio der RAVAG

Um 13 Uhr in der Johannesgasse wird das Studio der Ravag – der österreichischen Radioverkehrsanstalt – gestürmt. Einer der Putschisten brüllt ins Mikrofon: „Die Bundesregierung ist zurückgetreten, der Bundesminister Rintelen hat die Regierung übernommen! Wir senden Schallplatten“. Kurz vernehmen die Hörer den Tiroler Jägermarsch, Schüsse und dann Stille. Dadurch alarmiert stürmen Polizisten der nahen Wachstube Hegelgasse in das Studio, bei dem Handgemenge werden zwei Polizisten und ein SS-Anführer erschossen, 13 Aufrührer werden verhaftet.

Der Mord

Indessen bekommt Dollfuß die Unruhe im Hof des Bundeskanzleramtes mit und will flüchten. Er folgt dem Rat des Portiers, und läuft in Richtung einer eisernen Geheimtreppe zum Staatsarchiv, doch die Putschisten fangen die Flüchtigen im Marmorecksaal ab. Planetta behauptet später, er hätte im Gegenlicht drei Gestalten gesehen, eine hätte sich auf ihn zubewegt. Vor lauter Panik hätte er geschossen, Dollfuß wäre zusammengebrochen und hätte aus der Brust geblutet.

Der panische Planetta rennt zu Holzweber in den Ministerratssaal und gesteht diesem, dass er den Kanzler verletzt hätte, weil ihn dieser zuvor angesprungen sei. Die Suche nach einem arischen Arzt scheitert, nicht einmal ein jüdischer kann aufgetrieben werden. Um 15:45 stirbt Dollfuß an Blutverlust und aufsteigender Rückenmarkslähmung, die Putschisten werden überwältigt und verhaftet. In einem Schnellverfahren werden Planetta und Holzweber zum Tod verurteilt.

Die Hinrichtung findet am 31.7. im Wiener Landesgericht statt – Johann Lang, der Scharfrichter benutzt dazu den Würgegalgen. Die Leichen werden nicht an die Familien übergeben, sondern in der Feuerhalle Simmering eingeäschert.



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