Kohlmarkt 9

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Grund-Information
Freytag & Berndt 0220.JPG

Kohlmarkt 9

Aliasadressen =Kohlmarkt 9
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1861: 1151 | vor 1821: 1219 | vor 1795: 1181
Baujahr 1900
Architekt Max Fabiani


Das Artaria-Haus, auch Haus zum Englischen Gruß - Architektur und Geschichte

Das Relief eines Mannes mit Hammer - Industrie
Das Relief einer Frau mit Apfel - Landwirtschaft

Ende des 19. Jahrhunderts, in einer Zeit, in der Adelsfamilien ein repräsentatives Stadthaus und eine noble Landvilla hatten, wollte auch die Familie Artaria dem Trend folgen. Dominik Artaria hatte eine Villa in Neuwaldegg bauen lassen (heute ein Studentenheim), nun musste auch das Stadthaus neu erbaut werden.

Karl August Artaria, Musikverleger und erster Präsident der Konzerthausgesellschaft, beauftragte den jungen Max Fabiani mit der Planung, obwohl sich auch Architekten wie Otto Wagner oder Josef Hoffmann angeboten hatten. Es war erst der zweite Auftrag, den der junge Architekt erhalten hatte. Er erbaute das erste Wiener Haus mit marmorner Fassade, auch die Erkerfenster mit quadratischen Sprossen sieht man in Wien zum ersten Mal.

Das Erdgeschoss mit der Verkaufszone ist optisch deutlich von den Wohnetagen getrennt, an zwei von vier Pfeilern sind Figurenreliefs angebracht. Die Reliefs - ein Mann und eine Frau, sie symbolisieren Industrie und Landwirtschaft - sind Werke von Alfonso Canviani. Die Wohnräume sind mit weißen Marmorplatten verkleidet. Und noch eine Besonderheit wies das Haus damals auf: Es war eines der ersten Bauten, in dem elektrische Leitungen unter Putz verlegt worden waren.[1], [2]

Und wie immer, wenn ein neuer Stil in Wien realisiert wurde, sorgte er für Spott bei den Wienern: Wegen der vorgezogenen Dachkonstruktion hieß das Haus im Volksmund bald "Tramwayhäusel".

Der Architekt Fabiani geht später auch in die Geschichte ein: Er hatte 1912 einen jungen Zeichner in seinem Architektur-Atelier beschäftigt. Diesen hatte er nach drei Monaten entlassen - "wegen geringer Leistungsfähigkeit und weil er zu matt war." Dieser junge Mann war Adolf Hitler.

Kunsthandlung Artaria

1822 erwirbt die Familie Artaria (Franz und Dominik Artaria) das Haus, in dem sie bereits ab 1789 (bzw. ev. sogar schon 1786) ihren Kunstverlag betrieben. Artaria zählte schnell zu den führenden Musikverlagen der Welt. In ihrem Programm befanden sich Werke von Haydn, Mozart, Schubert und Beethoven, der selbst auch öfter hier zu Gast war. [3] Aber auch Kunstdrucke von Wien gab der Verlag heraus, sie werden als "Wiener Veduten" oder auch "Sammlung von Aussichten der Residenzstadt Wien" bekannt. Die Sammlung bestand aus 57 Radierungen, die Wiener Gebäude aus der Epoche um 1800 darstellten.

Bis Jänner 2013 war der Sitz und die Verkaufsräume im Erdgeschoss und ersten Stock des Gebäudes.

Zu einem weiteren Geschäftszweig Artarias wurde das Verlegen von kartografischen Werken. Ab 1920 vereinigte sich die Artaria mit dem Verlag Freytag & Berndt und wurde zur Freytag-Berndt & Artaria KG. 1932 wurde der Verlag Artaria aufgelöst.

Reisebuchhandlung Freytag & Berndt

Bis April 2014 war in dem Haus die Buchhandlung Freytag & Berndt. Wegen der zu hoch gewordenen Miete musste die Buchhandlung nun in die Wallnerstraße übersiedeln. [4]

Vorgängerhaus

1684 ist Richard Fauconet aus Frankreich neuer Besitzer des Hauses. Er ist Hutmacher und bringt Wien die neue Mode von Biberfellhüten. Um 1700 trägt das Haus daher das Schild "Zum Biberthier", der Modist ist mittlerweile zum "Kayserlichen Hoff-Hutmacher" avanciert.

Frédéric Chopin – Gedenktafel

An der Fassade des Hauses befindet sich die Gedenktafel für den Komponisten Frédéric Chopin (1810-1849), die im Beisein des polnischen Geschäftsmanns Benedikt Askanas enthüllt wurde.

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
Chopin GT.png Chopin, Frederic Frederic Chopin

1810 - 1849
wohnte von November 1830
bis Juli 1831 im 4. Stock des
Hauses Kohlmarkt 9, das bis
1900 an dieser Stelle stand.
Österreichisch-Polnische-Gesellschaft
17. Oktober 1950

Chopin pendelte zwischen 1829 und 1831 zwischen Paris, Wien und Warschau, Als am 2.11.1830 in Warschau Aufstände gegen die russische Herrschaft begannen, riet der Vater Chopins, derzeit nicht zurückzukehren, Chopin blieb also in Wien. Zu Anfang wohnte er noch am Fleischmarkt, im Hotel "Zur Stadt London", Nach einem Streit mit seinem Musikverleger Haslinger, der dazu führt, dass Chopin das Hotel nicht bezahlen kann, wird ihm angeboten, in den 4. Stock des Hauses am Kohlmarkt zu ziehen. Es handelte sich dabei um drei stilvoll eingerichtete Zimmer mit günstiger Miete. Er wohnte hier bis Juli 1931, dann übersiedelte er nach Paris.



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Quellen

  1. Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, Wien, Kremayr & Scheriau, 1992-2004, Band 5, S. 627.
  2. Bertha Blaschke, Luise Lipschitz, Architektur in Wien 1850-1930, Wien, Springer-Verlag, 2003, S. 89
  3. Eugen Messner: Die Innere Stadt Wien. Österr. Bundesverlag, 1928, Leipzig. S. 63
  4. http://derstandard.at/1392686451462/Freytag--Berndt-wandert-nach-239-Jahren-vom-Kohlmarkt-ab