Kapuzinerkirche

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Grund-Information
Capuchin Church - Vienna - 2.jpg

Kapuzinerkirche

Aliasadressen =Neuer Markt, =Gluckgasse 4, = Tegetthoffstraße 2
Konfession römisch-katholisch
Das Kapuzinerkloster
Aliasadressen =Tegetthoffstraße 2
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 1056 | vor 1821: 1120 | vor 1795: 1105
Baujahr 1957-1959
Architekt Karl Schwanzer



Die Kapuzinerkirche - Architektur und Geschichte

Bekannt ist die Kirche vor allem durch die Gruft der Habsburger, ihr eigentlicher Name ist "Heilige Maria von den Engeln"..

Das Kloster, die Kirche und eine kleine Gruft wurden von Kaiserin Anna, der Frau (und Cousine) von Kaiser Matthias, 1618 durch testamentarische Festlegung gestiftet. Ihr Mann war der erste Deutsche König, der hier begraben wurde. Er diente Franz Grillparzer als Vorbild für eine seiner beiden Hauptfiguren im Drama "Bruderzwist im Hause Habsburg".

Der Grundstein zur Erbauung der Kirche wurde 1622 durch Ferdinand II. und den Fürstbischof von Olmütz, Kardinal Franz von Dietrichstein gelegt. Der Bau verzögerte sich durch den Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges erheblich - die Kirche wurde erst am 8. September 1632 durch Bischof Anton Wolfrat geweiht. 1633 wurden die Särge von Anna und Matthias hierher überführt.

So unscheinbar sie heute wirkt, so auffällig stach ihre Schlichtheit zwischen den Adels- und Bürgerhäusern hervor.

Die Kirche wurde mehrmals umgebaut, die optisch auffälligste Veränderung wurde mit dem Portalvorbau 1760 vorgenommen. 1934-1936 fand eine Generalsanierung statt, die Fassade wurde wieder in den Originalzustand versetzt. Neu kam ein Fresko von Hans Fischer dazu. Auch die Statue von Marco d’Aviano, geschaffen vom Bildhauer Hans Mauer, wurde zu dieser Zeit an der Außenfassade angebracht. Eine weitere Renovierung wurde 1976 vorgenommen.

Am 13.8.1699 starb hier Marco d'Aviano (Denkmal an der Fassade und Grab in der Pietakapelle), 1782 las Papst Pius VI. anlässlich seines Wien-Besuchs am Marmoraltar eine Messe. 1809 tauchte nachts Napoleon hier auf, um sich im Fackelschein die Gruften anzusehen. In dieser Zeit diente das Kloster als Mehldepot. Im Refektorium des Klosters ist ein Ölgemälde des "Letzten Abendmahl" zu finden, das von Josef Führich 1842 geschaffen wurde.

Ein Kurzfilm zur Kirche findet sich hier: https://www.youtube.com/watch?v=SaFUoQYcWYU

Die Kirche Innen

Die schlichte einschiffige Saalkirche des Wiener Kapuzinerklosters besitzt ein Tonnengewölbe mit Stichkappen, eine kleine Vorhalle und zwei Seitenkapellen: die Kaiserkapelle (links) und die Pietàkapelle (rechts). Dadurch entsteht ein kreuzförmiger Grundriss, der dem Baustil der Kapuziner entspricht.

Das Langhaus

Nahezu alle Gemälde im Langhaus wurden vom Kapuziner-Mönch Norbert Baumgartner († 1773) geschaffen. An den Wänden sind zahlreiche Gedenktafeln angebracht, sie erinnern an die k.u.k. österreichisch-ungarische Armee.

Auf der Empore im Westteil des Langhauses ist die Orgel aufgestellt. Unter ihr befindet sich einer der Abgänge in die Kapuzinergruft.

Die Kaiserkapelle

Der prunkvollste Teil der sonst schlichten Kirche ist die Kaiserkapelle. In ihr ist der Hochaltar mit einem Maria-Hilf-Bild zu sehen, auch zahlreiche lebensgroße Statuten der Habsburger kann man hier finden. Unter dieser Kapelle befindet sich die "Gründergruft", der älteste Teil der Gruftanlage. Hier stehen die Särge von Matthias und Anna.

In der Kaiserkapelle finden die Aufbahrungen der Habsburger statt. Im Juli 2011 konnte man dem letzten österreichisch-ungarischen Thronfolger Otto von Habsburg einen letzten Besuch abstatten.

Die Pietakapelle

In der Pietakapelle dominiert ein Marmoraltar, der von Peter Strudel geschaffen wurde. Der Altar mit der Darstellung einer lebensgroßen Pita stand ursprünglich in der Kapuzinergruft, wurde jedoch im 18. Jahrhundert hierher übersiedelt.

Im Boden vor dem Altar ist das Grab von Marco d'Aviano eingelassen, der als persönlicher Berater des Kaiser Leopolds I und als leidenschaftlicher Prediger in die Geschichte einging..Er wurde 2003 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.

Die Kapuzinergruft

Die ursprüngliche kleinere Gruft wurde unter Kaiser Ferdinand II. erweitert, sie sollte als Bestattungsort (Erbbegräbnisstätte) aller Habsburger dienen. Gesamt wurde die Gruft acht Mal erweitert, um dieses Vorhaben umsetzen zu können.

Die Gruft befolgt eine seltsame Tradition: Zwischen 1654 (Tod des Ferdinand IV.) bis 1878 (Tod des Erzherzogs Franz Karl) wurden die sterblichen Überreste dreigeteilt aufbewahrt. Die Kapuzinergruft beherbergt nur die Körper der Habsburger, die Eingeweide wurden in der Herzogsgruft des Stephansdoms beigesetzt, die Herzen kamen an einen dritten Ort, nämlich in die Loretokapelle der Augustinerkirche.

Die Gebeine der Habsburger ruhen alle in Holzsärgen, wobei die Innenausstattung für Frauen und Männer unterschiedlich erfolgte: Die Särge der Männer wurden mit schwarzem Samt und Goldstoff ausgelegt, während Frauen roten Samt und Silberstoffe erhielten. Diese Holzsärge bettete man dann in Prunksarkophage. Zu Anfang waren diese Särge nur mit christlichen Symbolen geschmückt, ab dem 17. Jahrhundert vermehrte sich die Pracht, die in der Gestaltung des Doppelsargs von Maria Theresia und ihrem Gemahl Franz Stephan gipfelte.

Auch bei der Fahrt der Toten in die Gruft wurde ein Ritual eingehalten: Nur gekrönte Habsburger wurden in schwarzen Leichenwägen bis zur Begräbnisstatt gefahren, Erzherzöge und Erzherzoginnen wurden in roten Wagen kutschiert.

Die Leichname

Heute liegen hier 12 Kaiser, 19 Kaiserinnen und weitere Mitglieder der Familie Habsburg, gesamt 143 Leichname (eine Auflistung ist hier abzurufen: Leichname in der Kapuzinergruft).

Die einzige Nicht-Habsburgerin ist die Gräfin Karoline von Fuchs-Mollard, die Erzieherin von Maria Theresia. Maria Theresia hatte sich damit gegen den heftigen Widerstand ihre Berater durchgesetzt. Auf ihrem Grabmal ist eine Inschrift angebracht: "Zum unsterblichen Angedenken eines wohlwollenden dankbaren Herzens für die edle Erziehung zur Tugend. Ich, Maria Theresia"

Es war (auf Wunsch von Franz Joseph I.) auch geplant, Feldmarschall Radetzky hier zu beerdigen, dieser hatte jedoch seinem Gönner Joseph Pargfrieder versprochen, am Heldenplatz seine letzte Ruhe zu finden (gemeinsam mit Feldmarschall Maximilian Freiherr von Wimpffen, † 1854). Pargfieder hatte die Schulden der beiden Feldherren übernommen und dafür den Begräbnisort in seiner Heldengruft als Gegenleistung abverlangt.

Unter den Leichnamen befindet sich eine einzige Protestantin, es handelt sich um die 1829 bestattete Erzherzogin Henriette, Frau des erfolgreichen Feldherrn und Kaiserbruders Erzherzog Karl (siehe auch Annagasse 20, Der erste Weihnachtsbaum Wiens). Sie hatte sich bei ihrer Hochzeit geweigert, ihre Konfession zu ändern. Auch bei dieser Bestattung war der Widerstand hoch, doch Kaiser Franz I. setzte sich durch.

Bis 1940 war auch der Sohn Napoleons und seiner Habsburger Frau Erzherzogin Marie-Louise, Napoleon Franz Bonaparte, hier begraben. Hitler ließ ihn 1940 in den Invalidendom von Paris überstellen.

Die Räume der Gruft

Die Gruft ist gesamt in zehn Räume aufgeteilt:

Plan der Gruft
  1. Gründergruft (B, 2 Gräber) - hier liegen die Gründer der Kirche, Matthias und Anna. Der Raum ist nicht begehbar, man kann nur durch eine Türöffnung aus der Leopoldsgruft einen Blick hineinwerfen.
  2. Leopoldsgruft (A, 30 Gräber) - In der Wand sind 12 Kindersärge eingelassen, es handelt sich dabei hauptsächlich um Kinder des Leopold I. Leopold hatte mit drei Ehefrauen 17 Kinder, wovon nur sechs erwachsen wurden.
  3. Karlsgruft (C, 8 Gräber) - Sie wurde unter Kaiser Karl VI. (vor 1720) angelegt, die Planung stammte von Johann Lucas von Hildebrandt.
  4. Maria-Theresien-Gruft (D, 16 Gräber) - Die Gruft wurde von Jean Nicolas Jadot de Ville-Issey und Nikolaus Pacassi im Stil des Rokoko entworfen.
  5. Franzensgruft (E, 5 Gräber)
  6. Ferdinandsgruft (F, 39 Gräber)
  7. Toskaner-Gruft (G, 14 Gräber)
  8. Neue Gruft (H, 27 Gräber) - Diese Erweiterung unterhalb des Klostergartens fand erst 1960 statt. Den Auftrag dafür erteilte die Republik an Karl Schwanzer.
  9. Franz-Josephs-Gruft (I, 3 Gräber) - dieser Teil wurde 1908 erweitert, Anlass war das 60 jährige Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Joseph I. Damals wurde in der Gruft auch das elektrische Licht eingeleitet.
  10. Gruftkapelle (K, 3 Gräber)

Die vorletzte Bestattung, die hier vorgenommen wurde, war die der Kaiserin Zita von Bourbon-Parma, der Frau von Karl I., im Jahre 1989. 2011 wurde Otto Habsburg, der letzte Kaiser Österreichs, hier begraben. In der Gruft ist nun noch Platz für einen Sarg - dieser ist für die Witwe von Karl-Ludwig Habsburg-Lothringen bestimmt.

Die Gruft ist gegen eine Eintrittsgebühr von 5,5 € (Senioren und Studenten 4,5 €) täglich zwischen 10:00 und 18:00 Uhr zu besichtigen. Am 1. und 2. November jeden Jahres ist nur ein "Stiller Besuch" zugelassen.[1]

Die Besichtigung ist auch mit folgendem Video möglich: https://www.youtube.com/watch?v=f6fjxnTLybk (Dauer: 2:12 Minuten)

Sarg von Maria Theresia und Franz Stephan von Lothringen

In der Maria-Theresien-Gruft dominiert der Doppelsarkophag von Maria Theresia und ihrem Gemahl Kaiser Franz Stephan von Lothringen. dominiert. Der Sarkophag wurde prunkvoll im Stil des Barock von Balthasar Moll gestaltet. Am Deckel sind die Bildnisse des Kaisers und seiner Frau zu sehen, an den Ecken sind vier Frauengestalten mit den Kronen des heiligen römischen Reichs, Ungarns, Böhmens und Jerusalems zu sehen.

Der Sarg wurde 10 Jahre vor dem Tod des Kaisers - und sogar 30 Jahre vor dem Ableben Maria Theresias - angefertigt.

Die Bescheidenheit Josephs II.

Im gleichen Raum, zu Füßen des prunkvollen Grabmals seiner Eltern, liegt Joseph II. Er hat gemäß seiner Einstellung (Aufklärung, und ein erklärter Gegner des Barock) eine sehr schlicht gehaltene Aufbewahrung aus Kupfer gewählt. Die Inschrift auf seinem Sarg besagt: "Joseph II, der in allen seinen Unternehmungen unglücklich war."

Sarg von Elisabeth von Württemberg

in einem der Särge der Franzensgruft befindet sich der Leichnam von Elisabeth Wilhelmine von Württemberg-Mömpelgard, der ersten Gemahlin des Kaiser Franz I. Sie war bei der Geburt ihres Kindes gestorben. Ihr Geburtshelfer war Johann Lukas Boer (1751-1835), der Begründer des eigenständigen medizinischen Fachs "Geburtshilfe". Er galt als Verfechter der natürlichen Geburt - in einer Zeit, in der Zangengeburten modern waren - von 4456 Geburten, die er vorgenommen hatte, verwendete er nur 21 mal technische Hilfsmittel. Im Fall der Entbindung der Kaiserin musste er eine Zangengeburt vornehmen, nach der es zu Komplikationen kam. Als Elisabeth große Schmerzen litt, war Boer im Schloss nicht aufzufinden. Elisabeth starb.

Konsequenz für Boer war, dass ihm künftig die Patientinnen ausblieben. Allerdings hatte dies für die Wissenschaft einen positiven Effekt: Er hatte ab sofort mehr Zeit für das alte AKH und seine universitären Aufgaben. Er verschaffte seinem Institut damit Weltruhm.[2]

Der Sarg von Karl VI.

Der Vater von Maria Theresia, Karl VI. (1685-1740), ist in der Karlsgruft zu finden. Auf dem Deckel seines Sarkophags liegt die Figur der Austria. Über der Weltkugel hält sie ein Bild des Kaisers. Auf einem Kissen liegen die Insignien des Ordens vom Goldenen Vlies, die Kaiserkrone, das Zepter, der Reichsapfel und ein Schwert.

Das Grab Karls VI. kann hier in einem Video angesehen werden: http://www.aeiou.at/aeiou.film.data.film/o215a.mpg (MPEG, 4,7 MB)

Gedenktafel in der Neuen Gruft

An der Wand der Neuen Gruft ist eine Gedenktafel angebracht, die an Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie se als erste Opfer des Ersten Weltkriegs erinnert, und die nicht hier bestattet sind.

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
Kapuzinergruft GT.jpg Opfer des 1. Weltkrieges Zum Gedenken

An die ersten Opfer des Weltkrieges 1914-1918
Erzherzog Fran Ferdinand von Österreich-Este

  • Graz, 18.12.1863 + Sarajevo 28.6.1914

und Sophie Erzherzogin von Hohenberg

  • Stuttgart 1.3.1868 + Sarajevo 28.6.1914

Begraben in der Gruft zu Schloss Artstetten

Die Einlasszeremonie

Als die die letzte Kaiserin Österreichs Zita am 1.4.1989 in Wien beigesetzt wurde, wurde auch das letzte Mal das Zeremoniell zum Einlass abgehalten.

Der Trauerzug hielt vor der verschlossenen Türe an, es wurde an die Tür geklopft und von Drinnen ertönte die Stimme des Paters Guardian: „Wer begehrt Einlass?“. Dem Zeremoniell folgend wurden sämtliche Titel des Verstorbenen genannt – in diesem Fall eben: „Zita, Kaiserin von Österreich, Königin von Ungarn, von Böhmen, von Dalmatien, Kroatien, Slavonien, Galizien, Lodomerien, Illyrien...“.

Die Antwort erklang: „Die kenn ich nicht.“ Der Herold klopft ein zweites Mal. Wieder die Stimme: „Wer begehrt Einlass?“ Diesmal antworte der Herold mit der kurzen Bezeichnung, und wieder blieb das Tor geschlossen.

Nach dem dritten Anklopfen und der neuerlichen Frage lautete die Antwort: „Zita, eine arme Sünderin, deren Sünden so zahlreich sind, wie die Sterne am Himmel, einer rechtgläubigen Tochter der katholischen Kirche“. Erst da erklangen die Worte „Sie soll eintreten“.

Das Herz von Zita wird im Kloster Muri in der Schweiz aufbewahrt.[3]



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Quellen

  1. http://www.kaisergruft.at/
  2. Sabine Fellner, Katrin Unterreiner, Medizin in Wien, Metroverlag, 2010, S. 36-37
  3. Harald Havas, Wiener Sammelsurium. Metro Verlag, S. 79