Humanismus

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Zwischen dem 14. und dem 16. Jahrhunderte ersetzte der Humanismus die Scholastik, die auf den Schriften antiker und christlicher Philosophen basierte, und auf die vernunftmäßige Erfassung christlicher Glaubenssätze abzielte. Nun stand der Mensch im Mittelpunkt.

In der Kunst äußerte sich dieser Trend in der "Renaissance".

Italien seinen Ausgang; Francesco Petrarca (1304-1374), der am Hof Karls IV. in Prag weilte, machte ihn erstmalig nördlich der Alpen bekannt.

In Wien verbreitete Enea Silvio Piccolomini (Aeneas Silvius; 1405-1464, in Diensten Friedrichs III. 1442-1455, als Papst Pius II. 1458-1464) humanistisches Gedankengut; Georg Aunpeck aus Peuerbach (1421-1461) und Johannes Müller aus Königsberg, genannt Regiomontanus (1436-1476), lasen an der Wiener Universität antike Autoren. Unter Maximilian I. trat der Humanismus in Wien seinen Siegeszug an; die entsprechend gesinnten kaiserlichen Beamten Johannes Fuchsmagen (ab 1492 in Wien) und Johannes Krachenberger, genannt Gracchus Pierius, erwirkten 1497 die Berufung des „Erzhumanisten" Konrad Pickel, genannt Celtes, an die Wiener Universität, der noch im selben Jahr die „Sodalitas Danubiana" (Donaugesellschaft) gründete und 1501 die Einrichtung eines Kollegs für Dichter und Mathematiker erwirkte.

Der Donaugesellschaft (einem literarischen Klub, der in Cuspinians 1503 erworbenen und 1510 neu erbauten Haus [ 1, Singerstraße 10 ] zusammentrat) gehörten unter anderem Johannes Spießheimer, genannt Cuspinian, Ladislaus Sunthaym, Gabriel Gutrater der Jüngere, genannt Eubolius, und Johannes Stab, genannt Stabius, an. Führende Wiener Humanisten dieser Zeit waren auch Joachim von Watt, genannt Vadianus, und Georg Tannstetter, genannt Collimitius. Die Wiener Humanisten publizierten viel und unterhielten eine ausgedehnte Korrespondenz im gesamten deutschen Sprachraum; so bestanden Kontakte zu Konrad Peutinger in Augsburg, zu Johannes Reuchlin in Pforzheim, zu Willibald Pirckhaimer in Nürnberg und zum unsteten Ulrich von Hütten. Der Niedergang der Universität im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts, ausgelöst durch die drohende Türkengefahr und das Vordringen der Reformation (die sich an der Universität Wittenberg orientierte) hatten zur Folge, dass Adels- und Bürgersöhne, die eine Karriere in der mächtig angewachsenen Verwaltungsorganisation der habsburgischen Territorien anstrebten, in Italien (Bologna, Padua, Ferrara) studierten und von dort humanistisches Gedankengut mitbrachten. Der Ausklang des Humanismus in Wien war durch das Vordringen der Gegenreformation bedingt, doch wussten deren Vorkämpfer (die Jesuiten) das Studium antiker Autoren in ihren Lehrplan in einer mit den katholischen Glaubenssätzen zu vereinbarenden Weise einzubauen.


Conrad Celtis in Wien