Freyung 2

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Grund-Information
Palais Ferstel Cafe Central.jpg

Freyung 2

Aliasadressen =Freyung 2, =Herrengasse 14, =Strauchgasse 4
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 240, 241 | vor 1821: 248, 249 | vor 1795: 122, 123
Baujahr 1856-1860
Architekt Heinrich Ferstel, Joseph Mauritius Stummer (Vorarbeiten)


Das Palais Ferstel, auch Palais Abensperg-Traun - Architektur und Geschichte

Das Palais 1880[1]

Das Palais Ferstel wurde 1856-1860 für die Österreichisch-ungarische Bank vom Architekten Heinrich Ferstel erbaut. Auftraggeber war die Kaiserlich-Königlich privilegierte Nationalbank (Später: Österreichisch-ungarische Bank), die bisher in der Herrengasse ihren Sitz hatte, aber enormen Platzmangel hatte. [2]

Franz Xaver Reichsgraf von Abensperg und Traun erwarb daher das Areal 1855, um der Börse und der Bank mehr Raum zu ermöglichen, aber auch Repräsentationsräume und Cafés und einen Basar einzuplanen. Die hier geplante Börse übersiedelte bereits 9 Jahre nach ihrem Einzug in einen größeren Bau am Schottenring.

Bis kurz vor dem ersten Weltkrieg war hier das k.k. Militärkasino untergebracht, in der Zwischenkriegszeit und kurz nach dem 2. Weltkrieg diente es unterschiedlichsten Zwecken, so auch als Sporthalle der Wiener Basketballmannschaft.

Probleme beim Bau des Palais

Der Bau des Palais gestaltete sich als sehr kompliziert, da das Baugelände unregelmäßig war, es mussten zahlreiche Planänderungen vorgenommen werden (der Börsesaal wurde auf 394 Quadratmeter deutlich vergrößert), der Bau verzögerte sich. Die Fundamente musste weitaus tiefer eingemauert werden (acht Klafter), als alle umliegenden Bauten (fünf Fuss beim Palais Harrach). Die Fassaden an der Herrengasse und der Strauchgasse hätten planmäßig aus Stein und glasiertem Ziegel sein sollen, da mehrere Versuche jedoch scheiterten, wurde alles im Quaderbau umgesetzt.

Die Ausfertigung

Die Innengestaltung

Die Stiegen im Inneren des Hauses wurden aus Wöllerdorfer Stein gefertigt, für die Börsestiege und die Pfeiler wurde geschliffener Untersberger Marmor verwendet. Die Plastiken wurden von Franz Melnitzky und Hanns Gasser geschaffen, die Fresken an der Basarstiege von Carl Josef Geiger. Die zwölf Figuren über der ehemaligen Schalterhalle, dem heutigen Café Central, stellen die Völker der Donaumonarchie dar. Interessant bei der Gestaltung ist, dass hier zwei Stile miteinander verbunden wurden: der des venezianisch-florentinischen Trecento-Architektur und dem klassischen Werksteinbau.

Unterhalb des Börsesaals befand sich bis 1947 das Café Central.

Ferstelpassage, Basarhof mit Donaunixenbrunnen

Passage im Ferstl

Als Verbindung zwischen Herrengasse, Strauchgasse und Freyung wurde eine künstlerisch gestaltete Passage (Durchhaus) mit Geschäftslokalen durch das Palais Ferstel gezogen. Am "freiwilligen Durchgang" ist eine Tafel angebracht, die mitteilt, dass es sich hier um einen “bis auf Widerruf gestatteter Durchgang“ handelt. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich hier ein Kommunikationszentrum.

Sehenswert ist die Ausstattung der Passage: Die Hermen wurden von Anton Dominik Fernkorn 1858 gestaltet. An der Biegung der Passage liegt ein sechseckiger überdachter Brunnenhof, in dem der Donanixenbrunnen der ebenfalls von Fernkorn (1961) stammt, zu sehen ist.

Donaunixenbrunnen

Aus dem weit ausschwingenden Becken tauchen drei Nixen auf, darüber speien drei Wasservögel Wasser. Drei Brunnenfiguren, die mit Wasser zu tun haben, – ein Fischer (mit Fischernetz), ein Schiffbauer (mit Werkzeug) und ein Kaufmann (mit Buch) - stützen den Sockel, auf dem das Donauweibchen steht. Es hält in der rechten Hand einen Fisch.

Das Model zu dem Brunnen befindet sich im Wien Museum.

Vorgängerbauten Palais Abensperg-Traun und Kohlerhof

Auf dem 2.071 Quadratmeter großen Grundstück standen einst mehrere Häuser.

Haus 240

Das Haus 240 war das Abensperg-Traun-Palais, das wiederum drei Häuser aus dem Mittelalter verdrängte. Eines davon gehörte schon 1401 dem Herren von Traun, sein Nachkomme Ernst Abensperg-Traun erbaute das Palais mit dem Nachbarhaus, das er von der Familie Graf Zrinyi erworben hatte, im Jahr 1651. Die Besonderheit dieses Palais war, dass es das erste in Wien war, das an eine Wasserleitung (errichtet von Hofbaumeister Peter Concorz) angeschlossen war. Das Palais wurde im Zuge eines Brandes am 14.7.1683 im Meierhof des Schottenstiftes schwer beschädigt und schließlich im Jahr 1700 abgerissen. [3]

Haus 241

Das Haus 241 ging als Lehen im Jahr 1386 vom Erzbischof von Salzburg an Otto VII. von Zelking über. Schon ein Jahr später verkaufte dieser es an einen Holzkohlenhändler (Choler), daher kam auch der Name „Kohlerhof“ – selbst im Jahr 1753 scheint noch die Bezeichnung „Kohlhof“ auf. Ein weiteres Jahr später, 1388, erwarb das Haus das Nikolaikloster.

Das Stück der Strauchgasse, in der das Haus lag, nannte sich damals „Im Fluder“, das Ehepaar Vinzenz und Genovefa Muschinger, das 1541 Besitzer des Hauses war, legte hier einen ummauerten Garten an. Garten und Haus erbte 1573 der äußere Rat Sylvester Muschinger, bis 1660 dürfte es in Familienbesitz geblieben sein. Das mittlerweile baufällige „Muschingerhaus“ wurde von Ernst Abensperg-Traun gekauft, um sein Palais zu vergrößern, dazu dürfte es jedoch nicht gekommen sein. Das alte Gebäude bestand weiter und wurde als Gastwirtschaft „Zum Engländer“ betrieben.

Das Café Central

Figur des Peter Altenberg

Das Café Central wurde 1868 eröffnet und befand sich unterhalb des Börsesaals. Rasch wurde es zum zentralen Treffpunkt der Literaten und Künstlern, wie Peter Altenberg (der das Kaffeehaus als seine Wohnadresse angegeben hatte und heute als Pappmaché-Figur die Besucher begrüßt), Egon Friedell, Hugo von Homannsthal, Anton Kuh, Arthur Schnitzler und Stefan Zweig, Heimito von Doderer, Oksar Kokoschka und Karl Kraus.

Alfred Polgar nannte das Kaffeehaus „eine Weltanschauung“: „ … Seine Bewohner (die Besucher des Café Central) sind größtenteils Leute, deren Menschenfeindlichkeit so heftig ist wie ihr Verlangen nach Menschen, die allein sein wollen, dazu aber Gesellschaft brauchen... .“, auch Rudolf Forster schilderte die Atmosphäre in seiner Autobiographie eindrucksvoll. Vor dem ersten Weltkrieg versammelten sich hier spätere russische Revolutionäre, wie eine kleine Anekdote zeigt:

Ein österreichischer Politiker wurde einmal auf die Möglichkeit der Revolution in Rußland hin angesprochen. Er antwortete: “Wer soll denn schon Revolution machen? Vielleicht der Herr Bronstein aus dem Café Central?“ (Bronstein war der bürgerliche Name von Leo Trotzki).

Im Café lagen 200 Zeitungen in 22 Sprachen auf, es standen eigene Schachräume zur Verfügung.

1947 wurde das Café geschlossen, das Gebäude verfiel. 1975 entschloss man sich jedoch, das Palais zu renovieren und baute auch einen Teil des ehemaligen Café Centrals wieder auf, die Eröffnung fand am 30.10.1986 statt. Wieder erlangte es schnell einen hohen Bekanntheitsgrad, da hier die Kulturdiskussionen des ORF aufgenommen wurden.

Gedenktafel für den Komponisten E.S. Engelsberg

Straßenseitig ist eine Gedenktafel für Eduard Schön, Pseudonym E. S. Engelsberg, angebracht. Schön (* 23.1.1825 Engelsberg, † 27.5.1879, Mähren) war Beamter und Komponist. Der Jurist hatte in Wien studiert und war im Finanzministerium tätig. 1860-1869 war er Generalsekretär der Wiener Börsekammer und 1875 an der Ausarbeitung des Börsengesetzes beteiligt. Er komponierte 169 Stücke für Chöre und 12 Kirchenlieder. Nach ihm ist die Engelsberggasse im 3. Bezirk benannt.

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
Wien Zentrum ed 2009 PD a 20091007 088.JPG Engelsberg, E. S. (Schön, Eduard) Hier in diesem

Hause wohnte
der schlesische
Tondichter
Dr. Eduard Schön
genannt
E.S.Engelsberg
geb. 23.1.1825, gest. 27.5.18879
Gewidmet vom Verein
der schlesischen
Gemeinde in Wien
29.Mai 1927



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Quellen

  1. Moritz Bermann, Alt- und Neu-Wien. Geschichte der Kaiserstadt und ihrer Umgebungen, 1880, S. 1104
  2. Richard Groner: Wien wie es war, vollst. neu bearb. von Felix Czeike, Verlag Molden, Wien-München, 1965, 6. Auflage, S. 9
  3. Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Bd. 1. Kremayr & Scheriau, Wien 1992, S. 5