Große Sperlgasse 24

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Das Kriminalmuseum

An der Stelle des heutigen Kriminalmuseums befand sich im 17. Jahrhundert das Haus des Kantors – der von hier direkt in die Synagoge gehen konnte. Das Haus lag damals nämlich mitten im jüdischen Ghetto, die Straße davor war die Hauptstraße und eine absolute Nobelgegend.

1670 wurde das Ghetto aufgelöst – schuld war ein Kriminalfall. 1665 wurde hier eine zerstückelte Leiche eines Mädchens gefunden. Wie immer hatte man erst versucht, die Identität des Opfers zu eruieren, um so den Mörder zu finden. Nachdem weder das Eine noch das Andere gelang, gelangten Gerüchte in Umlauf, dass es sich um einen Ritualmord handeln könnte; Und damit stellten die Juden, knapp vor den Toren der Stadt, eine Bedrohung dar. Kaiser Leopold befahl also, das Ghetto aufzulösen – diesmal nicht, wie 200 Jahre zuvor (Massenmorde Am Hof) sondern damit, die Juden zur Auswanderung zu bewegen.

Sie wurden also in Schiffe verfrachtet und nach Ungarn gebracht, ihr Vermögen wurde, wie bereits zuvor, dem Staat einverleibt, an ihrer Stelle wurden Handwerker angesiedelt. Das neue Gebiet wurde Leopoldstadt genannt, das Haus des Kantors wurde eine Ölerei. Etwas später wurde es eine Seifensiederei, weshalb es heute noch das Seifensieder`sche Haus genannt wird. Im 18. Jahrhundert war hier eine Tischlerei, im 19. Jahrhundert hat ein ungarischer Fleischhauer namens Tschippan das Haus erworben.

Der Fleischhauer hat ganze Rinderherden in das Haus getrieben, die im Hof geschlachtet wurden. Bis 1910 sollen immer wieder Ochsen entwichen sein, die dann durch die Straßen galoppierten. Erst mit der Gründung von Stankt Marx – dem Zentralschlachthof – wurden die Einzelschlachtungen verboten. Den tiefen Gewölbekeller benutzte er als Kühlung: Im Winter wurden riesige Eisblöcke aus der Donau gesägt und in den Keller verfrachtet. Dort kühlten sie dann bis in den Sommer das Fleisch. Die Familie Tschippan hielt den Fleischhauerladen noch lange als Geschäftslokal: Bis in die 1960er. Da ist die Familie ausgestorben, das Haus verfiel immer mehr, bis es ein Altwarenhändler gekauft hatte. Der wollte eigentlich den hinteren Teil des Hauses abreißen lassen – dann hat es die Familie Seyrl gekauft und 1991 hier ein Museum eingerichtet.

Genaugenommen gab es schon seit 1898 etwas Ähnliches: Anlässlich des Regierungsjubiläums von Kaiser Fran Joseph wurde im Prater eine Ausstellung über die Leistungen Österreich-Ungarns gestaltet. Hier galt ein eigener Pavillon der international bedeutenden Polizeiarbeit.

1890 übersiedelte dieser Teil in die Polizeidirektion am Schottenring, 1904 in das neue Gebäude an der Rossauerlände.

1939 wurde das Museum ausgelöst, die Gegenstände in Kellern eingelagert, Vieles ging damals für immer verloren – zum Beispiel mussten alle Waffen der Sammlung den Besatzungsmächten übergeben werden, historisches Material wurde für immer vernichtet. 1960 wurden die letzten Reste als Lehrmittel in die Marokkaner Kaserne verbracht – öffentlich waren die Stücke jedoch nicht zugänglich.

Erst 1980 gab Polizeipräsident Karl Reidinger an Seyrl des Auftrag, ein Konzept für ein Museum zu erstellen und die stark beschädigten Objekte zu restaurieren und zu bestimmen. Ein erster Erfolg war eine Ausstellung 1984 in der Berggasse 31, hier wurden die ersten Stücke ausgestellt. 1991 kam es dann endlich – nach zweijähriger Renovierung des Seifensieder`schen Hauses - zur Eröffnung des heutigen Kriminalmuseums.