Grashofgasse 3

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Grund-Information
Wien-HeiligkreuzerHof.jpg

Heiligenkreuzer Hof

Aliasadressen =Grashofgasse 3, =Schönlaterngasse 5
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 676 | vor 1821: 720 | vor 1795: 767
Baujahr 12. Jhdt./1659 / Aufstockung 1769
Architekt unbekannt / Carlo Carnevale / Aufstockung A. Hild


Der Heiligenkreuzer Hof - Architektur und Geschichte

Heiligenkreuzer Hof um 1900, gemalt von August Günther

Die Erbauung des Hofs in seiner heutigen Form ist Abt Clemens Schäfer zu verdanken - dieser hatte auch das Stift in Niederösterreich erbauen lassen. Auf jedem der Bauten, die er veranlasst hatte, sind noch heute seine Initialen zu finden: "ACS" (für: Abt Clemens Schäfer) und "ACS†", das Kreuz steht hier für seine Christlichkeit.

Bereits 1242 scheint der Hof in Urkunden auf, er war bereits damals im Besitz eines Klosters. Die Grundmauern und Kellergewölbe stammen aus dem 12. Jahrhundert, wie eine Tafel im Hof beweist (siehe weiter unten).

Der heutige Hof ist nach dem Zisterzienserstift Heiligenkreuz benannt, das bereits 1133 gegründet worden war und seinen Hauptsitz in Sattelbach im Wienerwald hat. Herzog Albrecht I. schenkte dem Stift diesen Baugrund, der damals bis zur Bäckerstraße reichte, im Jahr 1286. Ursprünglich waren sämtliche Häuser alleine stehend über das Gelände verteilt gewesen, das gemeinsame, abgeschlossene, Bild entstand erst durch Initiative des Abts zwischen 1659 und 1676. Erforderlich war der Neubau, weil die sichtbaren Teile durch die Türken niedergebrannt wurden. 1769 wurde nochmals umgebaut, damals wurden die Häuser aufgestockt und teilweise in Mietshäuser umgewandelt.

Zwei von den Häusern der rechten Seite (aus Sicht der Schönlaterngasse) sind noch im Originalzustand erhalten, sie haben noch die auf Gibelniveau gebauten Dachböden. Die Aufzugsvorrichtungen, die hier noch angebracht sind, dienten dazu, die Güter und Lebensmittel der Kaufleute, und das Brennholz der Bewohner hinaufzuziehen und zu lagern. Wegen der Brandgefahr ging man allmählich dazu über, eigene Lagerhäuser zu erbauen, die Dachböden wurden dann nicht mehr dafür genutzt, sondern als kleine Wohnungen für Angestellte und Taglöhner umgewidmet.

Die letzte große Renovierung wurde 1953 vorgenommen. In dieser Zeit dürfte auch das Wandbild auf Seite der Grashofgasse entstanden sein.[1]

Auffällig an dem Hof ist, dass es kaum Fenster auf eine Straßenseite gibt. Einzig wenige Fenster gehen auf die Schönlaterngasse. Der Trakt, der in Richtung Grashof zeigt, ist neuer als die anderen Gebäude, einst war er als "Carl Pacheles Leibgeding" bekannt. [2]

Mauerreste aus der Babenbergerzeit

Im ersten rechten hinteren Innenhof sind Teile des Verputzes ausgespart worden, hier sind die ursprünglichen Mauern aus dem 12. Jahrhundert sichtbar.

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
Mauerwerk Babenbergerzeit Heiligenkreuzerhfo Wien 1010.JPG Mauerwerk Babenbergerzeit Unter dem Verputz des

17. und 18. Jhdts befindet
sich an vielen Stellen
Mauerwerk aus der Ba-
benbergerzeit.

Die erste Graveurakademie, Akademie für Angewandte Kunst

Im Heiligenkreuzer Hof befand sich seit 1768 die erste Graveurakademie Wiens. 1786 übersiedelte sie nach St. Anna (Annagasse). Heute ist in den Räumen die Angewandte untergebracht.

Bernhardskapelle

Bernhardskapelle

im südöstlichen Teil der Anlage befindet sich eine Kapelle, die dem Heiligen Bernhard gewidmet ist. Sie wurde zur gleichen Zeit in Auftrag gegeben wie die anderen Gebäudeteile des Heiligenkreuzer Hofes, dazu wurde die alte Kapelle abgerissen. Geweiht wurde sie durch den Bischof Grafen Breuner. 1730 wurde sie adaptiert, Auftraggeber dieser Arbeiten war Abt Robert Leeb.

Über dem Portal sind drei Sandstein-Statuten zu sehen, zwei stellen nackte Knaben dar, in der Mitte liegt Bernhard von Clairvaux.

Die Kapelle kann heute für Hochzeiten und Taufen gebucht werden.

Innenausstattung

Das Altarbild wurde von Martino Altomonte geschaffen. Den Hochaltar, die beiden Seitenaltäre, die Figuren des Heiligen Leopold und des Heiligen Florian und der Tabernakel stammen von Giovanni Giuliani, einem venezianischen Künstler.

Das Goldene Kreuz der Kapelle

Am Turm der Kapelle ist ein goldenes Kreuz angebracht. Der Turm wurde erst 1730 fertiggestellt. Das Kreuz hat eine Besonderheit: Üblicherweise führt ein Querbalken durch das Kreuz, bei diesem kreuzt ein zweiter längerer, Querbalken das Symbol. Diese Besonderheit ist auch an einer anderen Stelle des Heiligenkreuzer Hofs zu finden und nennt sich "erzbischöfliches oder auch spanisches Kreuz". Bei dem zweiten Kreuz handelt es sich um eine Reliquie, die seit dem Jahr 1133 im Kloster aufbewahrt wird. Damals schenkte Leopold III. dem neu gegründeten Stift dieses Kreuz, das angeblich von Kaiserin Helena, der Mutter Konstantins, in Jerusalem gefunden worden war. Es stammt aus dem Jahr 320 n.Chr. und hat ebenfalls zwei Querbalken: einen mit 6,8 Zentimeter Länge, den zweiten mit 11,5 Zentimeter. Mit seinen 24 cm Gesamthöhe zählt es zu den größten Kreuzreliquien nördlich der Alpen.

Stiftswappen des Heiligenkreuz und Wandbild

Wappen des Stifts Heiligenkreuz
Das Wandbild auf Seite der Grashofgasse

Am Eingang der Seite der Grashofgasse ist das Wappen des Stifts Heiligenkreuz angebracht. Gesamt findet man diese Selbstdarstellung des Abtes Clemens Schäfer vier mal im Hof wieder.

Das Wandbild ist von 1953. Es zeigt das Stift der Heiligenkreuzer im Wienerwald im Jahr 1676.

Auf den Bändern, die die zwei Wappen (links das ältere Stiftswappen, rechts ein neueres) umschlingen, befinden sich die Inschriften "FACERE ET DOCERE" (Handeln und Lehren) und "GLORIARI IN CRUCE DOMINI NOSTRI JESU CHRISTI" (Sich rühmen im Kreuze unseres Herren Jesus Christus).

Unterhalb des Bildes befindet sich ebenfalls ein lateinischer Schriftzug: "Clemens antistes me aedivicavit" (Der Antistes (= seltener katholischer Ehrentitel von Bischöfen) Clemens hat mich erbaut)
"Carolus abbas restauravit" (Abt Carl restauriert)

Unterhalb des Doppelkreuzes befindet sich der Schriftzug:

"IN CRUCE SALUS" - im Kreuz liegt das Heil.

Wohnhaus bekannter Persönlichkeiten

Sterbehaus von Kardinal Leopold Graf Kollonitz

Leopold Graf Kollonitz (Kollonitsch) (* 26. Oktober 1631 Komorn, Ungarn, † 20. Jänner 1707 ebenhier) war ein kroatischer Staatsmann und Erzbischof. Kollonitz war als Kriegsherr im Kreis des Malteser-Ritterordens erfolgreich gegen die Osmanen im Einsatz und Kommandant von Malta. Im August 1666 wurde er von Leopold I. zum Bischof von Neutra geschlagen, was Kollonitz dazu veranlasste, Theologie an der Universität Wien zu studieren. Besondere Verdienste leistete er während der Türkenbelagerung (1683), er versorgte Verwundete, richtete Notspitäler ein und richtete ein intaktes Feuerlöschwesen ein.

Sterbehaus Ignaz Franz Castelli

Der "letzte Wiener" Ignaz Franz Castelli ( 6. März 1781 Stadt (Hornmacherhaus [ehemaliges Pedellhaus der Universität], heute Neubau 1, Bäckerstraße 22, † 5. Februar 1862, ebenhier) war Beamter und Dichter. Castelli verfasste über 200 Theaterstücke und Librettis, schrieb aber auch Theater-Kritiken.

1847 gründete Castelli den Tierschutzverein. Einige Zeit lang (1823) wohnte er in der Ballgasse 4, wo er die Ludlamshöhle begründete.

Sterbehaus von Martino Altomonte

Altomonte (Hohenberg vulgo Altomonte), * 8. Mai 1657 Neapel, † 15. September 1745, ebenhier) war Maler. [3]

Der Künstler, der die Kapelle gestaltet hatte, verbrachte im Heiligenkreuzer Hof seinen Lebensabend. Er starb hier am 14.9.1745 und ist im Stift Heiligenkreuz begraben.

Weitere Gedenktafeln

11 Jahre lang lebte hier der Schauspieler Helmut Qualtinger (* 8. August 1928 Wien, † 29. September 1986 Wien). Außerdem wohnte hier der Schriftsteller Richard Graf Coudenhove-Kalergi (1894-1972), woran ebenfalls eine Gedenktafel erinnert.

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
Heiligenkreuzerhof 1 (001 von 001).jpg Qualtinger, Helmut Hier lebte und starb

Helmut Qualtinger
13. Februar 1875 - 29. Oktober 1986
gewidmet von Vera Borek-Qualtinger
und dem Thomas Sessler Verlag

Coudenhove-Kalergi GT.jpg Coudenhove-Kalergi, Richard Graf In diesem Haus, in der Prälatur des Heiligenkreuzer Hofes,

lebte der Gründer der Paneuropa-Union
und geistige Vater der europäischen Einigung,
Richard Graf Coudenhove-Kalergi.
Von hier aus floh er in der Nacht
von 11. auf 12. März 1938 vor den
Okkupationstruppen des nationalsozialistischen Deutschland.
Die Paneuropabewegung Österreich
Anlässlich des 40. Todestages am 27. Juli 2012
Die Paneuropabewegung Österreich
Anlässlich des 40. Todestages am 27.Juli 2012


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Quellen

  1. Abt Gerhard Hradil, Im Zeichen des Kreuzes. Geist und Leben in unserem Kloster Heiligenkreuz – zu Ehren unsers heiligen Ordensvaters Bernhard von Clairvaux, Heiligenkreuz 1990, S. 63f.
  2. Gerhard Robert Walther von Coeckelberghe-Dützele: Curiösitäten- und memorabilien-lexicon von Wien, Wien, 1846. S. 18
  3. Herbert Haupt: Das Hof- und hofbefreite Handwerk im barocken Wien, 1620 bis 1770, Studien-Verlag, Innsbruck, Wien, Bozen, 2007, S. 193