Bräunerstraße 1

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Grund-Information
Graben Vienna June 2006 376.jpg

Generalihof

Aliasadressen =Bräunerstraße 1, =Graben 13
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 1122, 1123 | vor 1821: 1188, 1189 | vor 1795: 1151, 1152
Baujahr 1794/95 / 1831
Architekt Peter Mollner und Ernst Koch / Josef Klee


Der Generalihof - Architektur und Geschichte

Das Gebäude, dessen Stiegenhaus zugänglich ist, wurde 1794/95 von Peter Mollner und Ernst Koch erbaut. 1831 wurde es von Josef Klee umgebaut.

Noch heute ist der Durchgang, der die Bräunerstraße mit dem Graben verbindet, passierbar. Man kann beim Durchwandeln Schaufenster von ehemaligen k.k. Hoflieferanten bestaunen.

Mädchenschule Lyzeum Gunesch

Ab 1871 war hier die angesehene Mädchenschule „Institut Gunesch“, die von der Pädagogin Adele von Gunesch mit ihrer Schwester Alma gegründet wurde. Dieses „Lyzeum Gunesch“ bestand bis 1920, das Lehr- und Erziehungsinstitut Gunesch noch bis 1931. Seit den 1930er Jahren ist hier die Sprachschule Berlitz untergebracht.

Die Generali-Versicherung

Als das Haus 1895 durch die Assicurazione Generali erworben wurde, fand wieder ein Umbau statt, das Unternehmen ließ die Fassade ändern sowie einen Attikaaufbau anbringen (sechs allegorische Figuren mit einem schwebende Engel über der Weltkugel). Nach dieser Versicherung, die bis heute Besitzer ist, hat sich der Name des Gebäudes erhalten.

Ab 1785 befand sich hier auch der Sitz der Musikalienhandlung von Leopold Kozeluch, der die Werke von Mozart verlegte.

Vorgängerhäuser

Die Häuser Stadt 1122 und 1123

Vor dem heutigen Bau standen hier zwei Häuser mit der Konskriptionsnummer 1122. Eines davon wird 1419 erstmals erwähnt, 1521 findet sich eine Kaufurkunde: Anna, die Frau des Bürgermeisters Wolfgang Kirchhofer, hatte es erworben. Das zweite Gebäude unmittelbar an der Ecke zur Bräunerstraße war das "Ekkstains Haus" und wurde als solches bereits 1361 erwähnt. 1434 findet sich in der Liste der Besitzer der Bürgermeister Chunrat Holczer, bis Anfang des 16. Jahrhunderts erbten es Sankt Stephan, das Bürgerspital und die geistlichen Brüder zu Sankt Tibold.

Zwischen 1556 und 1600 war hier der Sitz der "Blauen Apotheke", die vornehmste Apotheke der spätmittelalterlichen Stadt.

Die Blaue Apotheke

Die ersten Besitzer der Apotheke waren Vinzenz Hackenberger, danach Konrad Reutter.

Vinzenz Hackenberger wurde von der medizinischen Universität sehr geschätzt und hatte beste Verbindungen in den kaiserlichen Hof. Er war mit der Tochter eines anderen Apothekers, Wolfgang Lengenauer (Apotheke Zum Schwarzen Mohren), verheiratet, der 1410 das Haus daneben (Konskriptionsnummer 1120, heute Graben 11) besaß. Hackenberger erwarb das Haus 1121 um 200 Pfund kurz nach seiner Heirat (1436), das Haus 1122 dann 1448. Der Reichtum des Apothekers wird auch dadurch belegt, dass er - um sich persönlich dem Kriegsdienst zu entziehen - ein Pferd mit Reiter zur Bewachung des Widmertors finanzierte. Bekanntheit erlangte Hackenberg als Vermittler zwischen Ärzten und Pharmazeuten im Jahr 1454. Damals war ein Streit ausgebrochen, da die Ärzte der Meinung waren, Apotheker dürften keine Waren verkaufen, die nicht von ihnen per Rezept ausgestellt worden seien, sie dürften auch nicht im Auftrag von Kurpfuschern Waren herstellen und müssten sich an die Taxen halten, die die Universität vorschrieb. Bevor dieser Streit eskalierte, lud Hackenberger alle Betroffenen zu einem gemütlichen Symposion in seinem Haus ein, eine Einigung konnte in der gemütlichen Atmosphäre schnell gefunden werden: Gemeinsam sollte das Kurpfuscherwesen bekämpft werden, die Ärzte überließen eine faire Preisgestaltung des Apothekern und gefährliche Mittel wie Opium, Arsenik und Laxantien durften nur mehr durch Verordnung eines Arztes abgegeben werden.

Der zweite Besitzer der Blauen Apotheke war Konrad Reutter, der Sohn des Bürgermeisters Hanns Reutter und dessen Frau Agnes. Reitter kaufte das Haus 1121 von den Töchtern des verstorbenen Lengenauer um 500 Pfund Pfennig. In den Fakultätsbüchern wird das Haus als " Conradus in domo Vincencii quondam in fossato" erwähnt, übersetzt: "im Haus des verstorbenen Vinzenz [Hackenberger] am Graben".

Die Apotheke ist bis 1674 nachweisbar, danach gelangte das Haus in den Besitz der Familie Pfeiffer (Dr. Johann Baptist Pfeiffer von Shalamhaimb), der zwei Häuser (1122 und 1123) zu einem dreistöckigen umbaute. 1794 kaufte es Anton Freiherr von Spielman, der Peter Mollner und Ernst Koch für den Neubau beauftragte.

Das Haus 1123

Das Haus 1123, dessen Front zur Gänze in der Bräunerstraße war, wurde 1355 erstmals erwähnt und gehörte 1438 kurz König Albrecht. Nach zahlreichen Besitzer-wechseln fiel es, wie oben erwähnt, 1794 an Anton Freiher von Spielmann, um 1750 herum befand sich hier das k.k. Tabak-Oberadministrationsamt.

Wohnhaus bekannter Persönlichkeiten

Wohnhaus Anton Wagner, Thomas Ender und Karl Costenoble

In dem Haus hatten auch einige Berühmtheiten gewohnt, so zum Beispiel der Burgschauspieler Anton Wagner, der auch als Maler tätig war. Auch der Landschaftsmaler Thomas Ender, der 1817 eine Expedition nach Brasilien machte und von dort 700 Zeichnungen mitbrachte, hatte hier eine Wohnung.

1818 zog in das Haus der Schauspieler Karl Costenoble ein, der von Berlin an die Burg berufen worden war. Außerdem hatte Baron Sothen (siehe Am Hof, Collaltopalais) hier ein Bank- und Wechselgeschäft (die Union Bank Sothen, bis 1941)

Unternehmen, die sich bis heute hier erhalten haben

Herrengeschäft Knize

Knize Herrenausstatter

Das Herrengeschäft Knize wurde 1910 von Adolf Loos gestaltet. Knize & Comp. waren Hofschneider. Der Compagnon war seit 1885 Albert Wolff, dessen Familie bis 1938 das Geschäft alleine betrieb (Knize starb 1888). Die jüdische Familie musste emigrieren (ging nach Paris, nachher nach New York, wo sie ebenfalls Geschäfte eröffnete) und kehrte nach dem Krieg wieder zurück. Sie sind bis heute Inhaber des Geschäftes. Noch heute können die Salons von Loos im Geschäft unverändert bewundert werden.

Hof-Porzellanlieferant Albin Denk

Ebenfalls in dem Gebäude befindet sich der Hof-Porzellanlieferant Albin Denk. Bereits 1702 erzeugten seine Vorfahren in einem unterirdischen Gewölbe einer ehemaligen städtischen Eisgrube eine Töpferei. Die Waren wurden damals am Petersplatz verkauft. 1849 wurde das Porzellangeschäft von Albin Denk am Petersplatz eröffnet, das hauptsächlich ihre Waren an den Adel verkaufte und übersiedelte 1902 an die heutige Adresse. Das Geschäft überlebt den ersten Weltkrieg fast unbeschadet (nur das Archiv verschwand) und besteht bis heute.

Juweliergeschäft Heldwein

Der Juwelier Heldwein

Auch das Juweliergeschäft Heldwein hat Tradition und besteht seit 1902. Anton Heldwein, selber Goldschmied, heiratete in eine einflussreiche Juweliersfamilie aus Wien (Charlotte Riess) und konnte sich damit bald am Hof einen Namen machen. 1906 wurde er k.u.k. Hofjuwelier, sein Hauptkunde war Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich. Bis heute ist das Geschäft – in vierter Generation – in Familienhand. Karl Heinz Heldwein, der 1971 das Geschäft übernahm, produziert heute noch Juwelen und Goldschmuck, aber auch Uhren und Silberwaren nach Entwürfen von Anton H. im Stil der Wiener Werkstätten.

Parfümerie von J.B. Filz’s Sohn

Kaiserliche Inneinrichtung bei Filz

Die Parfümerie von J.B. Filz’s Sohn wurde von den Wienern liebevoll „Doft G`wölb“ genannt. Im Geschäft, das 1809 gegründet wurde, sind heute noch die historischen Holzschränke, die bis zur Decke reichen, vorhanden und mit Parfum- und Kosmetikartikel gefüllt. An der Wand hängt noch der kaiserliche Doppeladler, flankiert von den Büsten Kaiser Franz Josephs dem I. und der Kaiserin Elisabeth. Das Geschäft wird immer noch in 6. und 7. Generation von den Frauen der Familie betrieben (Helga Zmrzlik-Filz und deren Tochter Angelika Liebhart).

Buchhandlung Braumüller und Seidel (heute Krey)

Ludwig Seidel war ein Buchhändler aus Weimar, sein Vater (Philipp Seidel) war Vertrauter und Diener von Goethe. Von Weimar über Leipzig kam er schließlich 1826 nach Brünn, wo er seine erste Buchhandlung er war und als stillen Teilhaber den Wiener Buchhändler Braumüller aufnahm. Als dann Braumüller die Buchhandlung der Witwe Mösle übernahm, machte er seinerseits Seidel zu seinem stillen Teilhaber. 1840 wurde die Firma „Braumüller & Seidel“ gegründet und erlangte schnell den Ruf, eine der besten Buchhandlungen Wiens zu sein.

1848 stieg Seidel aus dem gemeinsamen Unternehmen aus und kaufte sich eine Buchhandlung am Graben, er spezialisierte sich hier auf medizinische und mathematische Werke. 1861 trat auch Seidels Sohn Ludwig in die Firma ein, sie wurde auf „L.W. Seidel und Sohn“ umbenannt. Ludwig spezialisierte sich eher auf militärwissenschaftliche Werke („Seidls kleines Armeeschema“), er veröffentlichte in seiner hauseigenen Druckerei auch Verlagswerke.



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