Bauernmarkt 21

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Grund-Information
Bauernmarkt 21.jpg

Bauernmarkt 21

Aliasadressen =Bauernmarkt 21, =Fleischmarkt 4
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 500 | vor 1821: 534 | vor 1795: 500
Baujahr 1910
Architekt Anton Hein


Das Gebäude - Architektur und Geschichte

Auch dieses Eckhaus zum Fleischmarkt wurde von Anton Hein 1910 errichtet.

Dafür wurde der Dreifaltigkeitshof abgerissen, der schon 1204 hier stand (ursprünglich ging dieser von der Judengasse 8–12 über den Fleischmarkt, den Bauernmarkt und den Lanzenhof 2, heute führt hier eine Stiege zum Fleischmarkt hinunter).

Vorgängerhäuser

Der Dreifaltigkeitshof war im 13. Jahrhundert ein stattliches Anwesen, das mehrere Gärten, eine Weinpresse, ein Backhaus und einen Weinkeller besaß. Durch einen Brand 1276 wurde nicht nur der Hof, sondern auch der Kienmarkt und der Hohe Markt nahezu vernichtet. Der Besitzer, Konrad von Tulln, baute ihn wieder auf und schenkte ihn 1280 den Dominikanerinnen in Tulln.

1295 wurde ein Teil abgetrennt und zum Lanzenhof, den anderen Teil verkauften die Nonnen an den späteren Bürgermeister Heinrich von der Neiße.

Der Dreifaltigkeitshof

Seinen Namen hatte der Dreifaltigkeitshof durch die Hauskapelle erhalten, die im Hof des Kämmerers Gottfried ebenfalls im Jahr 1402 gegründet worden war.

Die Kapelle war rechtlich von St. Peter getrennt, und bestand aus einem zweijochigen Kreuzgewölbe. Sie war durch die Wiener Bürger stark frequentiert, was auch zu vielen Stiftungen führte, der letzte bekannte Benefiziat war 1800 Bartolo Mennhofer. 1720 wurde der Hof und die Kapelle von Franz Stark gekauft, der sie im barocken Stil neu erbauen ließ. Zu dieser Zeit verwalteten sie 12 Ordenspriester, die sich verpflichtet hatten, jeden Abend vor der Dreifaltigkeitssäule am Graben eine Predigt abzuhalten. 1782 wurde die Kapelle durch Joseph II. profaniert und zum Großteil in Privatwohnungen umgestaltet.

Viele Jahre ging der Besitz des Hofes an Patrizierfamilien über (Zink, Chrannest, Reicholf, Galander), bis er Ende des 17. Jahrhunderts schon sehr baufällig war und abgerissen wurde. Das Grundstück wurde in mehrere Parzellen geteilt, auf denen die Häuser 496 bis 498 errichtet wurden.

Zur heiligen Dreifaltigkeit

Schon 1380 gab es im Dreifaltigkeitshof ein urkundlich erwähntes Wirtshaus, „Zur heiligen Dreifaltigkeit“, das sich später im Haus 496 wieder fand. Aus einer Beschreibung aus dem Jahr 1908 geht hervor, dass die Gastwirtschaft düster und schmutzig war, wobei sich an der Fensterwand halb verloschene Heiligen-Bilder befanden und der Fußboden aus Sägespänen bestand. Die Heiligenbilder dürften beim Abriss 1910 zerstört worden sein. Das Haus 498 wurde als „Freihaus“ oder auch „der heiligen Dreifaltigkeit Zuhaus“ bezeichnet.

Mitte des 19. Jahrhunderts fuhr von hier zweimal pro Woche (Sonntag und Mittwoch) der Stellwagen nach Preßburg ab.

Der Lazenhof - Geburtshaus des Wolfgang Lazius

Bildnis von Wolfgang Lazius im 40. Lebensjahr, Kupferstich von H.S. Lautensack, 1554
Der Lazenhof [1]

1480 wurde das Areal geteilt, aus einem entstand der Lazenhof, benannt nach der Familie Lazius. Der Sohn des Besitzers Simon war Wolfgang Lazius (31.10.1514 – 19.6.1565), der Arzt und Humanist war. Lazius hatte in Ingolstadt Medizin studiert, der Titel wurde in Wien jedoch nicht anerkannt, er arbeitete daher zunächst in Wiener Neustadt und als Militärarzt in Ungarn, erst spät (1546) erlangte er die Professur an der Wiener Universität, beschäftigte sich aber auch viel mit Forschungen der österreichischen Geschichte und Geographie. König Ferdinand ernannte ihn sogar zum Leibarzt und Leiter seiner Antiquitäten- und Münzsammlungen.

Die größten Verdienste von Lazius liegen im Bereich der Geschichtsforschung, er schrieb die erste umfassende "Geschichte Wiens". [2]Auch der erste österreichische Atlas ist sein Werk. Das Grab Lazius' befindet sich in der Peterskirche, die er 1575 auf eigene Kosten renovieren ließ.[3]

1548 ließ Wolfgang Lazius den Hof neu erbauen und brachte im vorderen Teil seine Sammlung alter Ausgrabungsstücke aus der Vergangenheit Wiens unter (die Sammlung ging nach seinem Tod verloren, die Erben hatten daran kein Interesse und verwendeten die Steine als Baumaterial).

Der Hoyos-Hof

1852 [4] wurde der Lazenhof abgebrochen und durch den Hoyos-Hof ersetzt. Damaliger Besitzer war Heinrich Graf Hoyos-Sprintzenstein, nur wenige Stücke aus dem Vorgängerhaus, wie ein Votivaltar, den ein „Cajus Arodius“ dem Jupiter geweiht hatte, blieben dabei erhalten.

1910 wurde der Hoyoshof abgerissen.

Ausgrabungen

Bachmanns Grabstein und Stadtmauer

Während der Bauarbeiten stieß man in der Rotgasse auf Teile der alten Stadtmauer und auf den Grabstein des Barockmalers Georg Bachmann (Altarbilder in der Schottenkirche und in der Dominikanerkirche).


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Quellen

  1. Schlagers Wiener Skizzen aus dem Mittelalter, Berlach&Wiedling, Wien, Leipzig, 1915, S. 8
  2. Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze Wiens und ihre historisch interessanten Häuser. Gottlieb, Wien, 1883. S. 497
  3. Wien Archiv, Archiv Verlag, Blatt W 05008
  4. Danke für die Korrektur an Peter Ebner