Bauernmarkt 16

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Grund-Information
Ertlgasse 07.JPG

Bauernmarkt 16

Aliasadressen =Bauernmarkt 16, =Kramergasse 11, =Ertlgasse 4
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 534, 536, 537 | vor 1821: 575, 577, 578 | vor 1795: 637, 517, 521
Baujahr 1842-1844
Architekt Franz Ram


Das Gebäude - Architektur und Geschichte

Das frühhistoristische Eckhaus wurde 1842 von Franz Ram im Stil des Frühhistorismus erbaut. Betrachtenswert sind das ovale Foyer mit den Buntglasscheiben in den Windfangtüren und die Wendeltreppe, die mit einer Glaskuppel überdacht ist. Im Lichthof findet man verglaste Pawlatschen.

Am 30.12.1918 gelangte das Gebäude in den Besitz der Stiftung "Haus der Barmherzigkeit zur Pflege armer, schwerkranker Unheilbarer", 1938 wurde es umbenannt in: „Haus der Barmherzigkeit, gestiftet von der Bruderschaft der Allerheiligsten Dreifaltigkeit zur Pflege armer Unheilbarer" geändert. Am 27.7.1939 ging das Haus in den Besitz der Stadt Wien über.

Vorgängerhäuser

Haus 534 und die Zeitschrift „Der Humorist“

Das Haus 534 wurde bereits 1384 urkundlich genannt, 1844 wurde es abgerissen.

1837 wurde hier die satirische Zeitung „Der Humorist. Eine Zeitschrift für Scherz und Ernst, Kunst, Theater, Geselligkeit und Sitten“ gegründet, die Moritz Gottlieb Saphir herausgab und die meisten der Artikel selbst verfasste. Die Zeitung erschien bis 1862.

Haus 536 "Zum goldenen Ring" und Haus 537, "Zum goldenen Rössl“

Haus 536 gab es bereits 1381. 1609 war es in Besitz des Kaufmannes Thomas Ring, weshalb es wohl seinen klingenden Namen „Zum goldenen Ring“ erhielt. Kurz bevor es abgerissen wurde, kaufte es noch der Wiener Bürgermeister Ignaz Czapka für die Stadt.

Bevor Haus 537 gebaut wurde, standen hier zwei Gebäude, die jedoch immer den gleichen Besitzer hatten, und wovon eines als Zuhaus genutzt wurde.

Die Keller und die Porta Dextra

Während Renoverungsarbeiten in einem der tiefsten Keller Wiens (er hat vier Stockwerke) gelang den Archäologen im Jahr 2010 eine Sensation: im untersten Keller wurden römische Steine, Bestandteile des rechten Lagertores, gefunden. Damit war der langersehnte Beweis für die Porta Dextra erbracht. Man fand auch Friesplatten und Simsstücke, sowie einen mittelalterlichen Brunnen. Dieser wurde zwar zugeschüttet, der obere Bereich ist aber hübsch beleuchtet und zugänglich.

Die Keller, die während dem Weltkrieg als Luftschutzkeller genutzt wurden, sind seit Jahrzehnten im Besitz der Familie Haas (Haas&Haas – Teehaus und Delikatessen), die die Räumlichkeiten als Lager genutzt hatten. Im Zuge der Renovierung wurde im ersten Untergeschoss eine Josefinische Säule entdeckt, die von Haas&Haas in die Gestaltung der Verkostungsräume integriert wurde. [1]

Josefinische Säulen

Die Josefinischen Säulen wurden errichtet, als die gesamte Rotenturmstraße unterirdisch verstärkt werden musste: Kaiser Joseph I. hatte 1710 entschieden, dass aus den türkischen Kanonenkugeln eine neue Pummerin gegossen werden sollte. Die Erzeugung übertrug er dem Wiener Stuckgießer (alt für Glockengießer) Johann Achamer, der seine Werkstatt in der Burggasse 55 (der damaligen Stuckgasse) hatte. Die schwere Glocke mit einem Durchmesser von 3,2 Metern passte durch kein anders Stadttor, als dem Rotenturmtor – und so musste die Strecke über die Rotenturmstraße zum Stephansdom, die durchgehend unterkellert war, entsprechend gesichert werden. Also ließ der Kaiser sämtliche Keller mit Säulen stützen.

Hier dürfte eine der letzten Säulen sein, die die Renovierungsarbeiten und Demolierungen in Wien überstanden hat. Eine einzige Weitere ist angeblich noch im ersten Untergeschoss des Zwölfapostelkellers zu finden, sie wurde bei einem Keller der Rotenturmstraße abgetragen, restauriert und hier wieder aufgestellt.



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Quellen

  1. Robert Bouchal, Gabriele Lukacs: Geheimnisvolle Unterwelt von Wien, Pichler Verlag, 2011, S.25