Dr.-Karl-Lueger-Platz

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Dr.-Karl-Lueger-Platz

Dr.-Karl-Lueger-Platz 02.JPG

Benennung 1926
Benannt nach Karl Lueger, Bürgermeister
Straßenlänge 306,57 Meter (Umrundung)[1]
Gehzeit 3,69 Minuten
Vorherige Bezeichnungen Glacis und Stubentor, Wollzeile


Namensgebung und Geschichte

Das alte Stubentor

Auf diesem Gebiet lag im Mittelalter das Glacis und das Stubentor. 1858, nach dem Abriss der Stadtmauer, wurde die Wollzeile verlängert, die damit nahtlos in die Weiskirchnerstraße überging. Der Platz wurde 1926, als der ehemalige Dr.-Karl-Lueger-Platz zum heutigen Rathausplatz umbenannt wurde, nach dem Wiener Bürgermeister Lueger benannt. In diesem Jahr wurde auch das Denkmal Luegers aufgestellt. Am nördlichen Rand des Platzes sind noch historische Häuser erhalten (Nummer 5 und 6).

Der umstrittene Bürgermeister Karl Lueger

Dr. Karl Lueger wurde am 24.10.1844 in Wien als Sohn eines Saaldieners geboren. Nach seinem Jus-Studium wurde er schnell politisch aktiv, wobei er mehrfach die Seiten wechselte: Erst war er Anhänger der Demokraten, 1872 trat der dem Landstraßer Bürgerclub bei, 1875 wurde er zum Gemeinderat der Liberalen gewählt. 1895 wurde er schließlich mit der Christlich Sozialen Partei Vizebürgermeister. In der Folge wurde er mehrmals zum Bürgermeister gewählt, der Kaiser bestätigte in jedoch nicht, weil Viele ihn als "demagogischen Umstürzler" betrachteten. Als die Wahl schließlich doch anerkannt wurde, übte er 13 Jahre lang sein Amt aus, und erreichte zahlreiche Neuerungen für Wien:

Er elektrifizierte und verstaatlichte die Straßenbahn, war für den Bau der zweiten Hochquellwasserleitung verantwortlich, kommunalisierte das Gaswerk und die Elektrizitätswerke, baute das Lainzer Versorgungsheim (später Geriatriezentrum Am Wienerwald) und die Heil- und Pflegeanstalt Steinhof (später Otto-Wagner-Spital, Baumgartner Höhe), schuf den Grüngürtel rund um Wien, sie städtische Bestattung, öffentliche Klos, Schulen, Volksbäder, Markthallen und die Zentralsparkasse.

Lueger starb am 10.3.1910 in Wien.

Karl Lueger war jedoch nicht ganz unumstritten - er galt auch als Wegbereiter des modernen Antisemitismus. Hitler sprach von ihm sogar "als einen der größten deutschen Bürgermeister". Eine Bürgerinitiative wünscht deshalb eine Umbenennung des Platzes, eine der Ideen ist die Erinnerung an Nelson Mandela, den südafrikanischen Freiheitskämpfer.

Die Reste der Stadtmauer und das Bronzemodell

An Stelle der heutigen Häuser Dr.-Karl-Lueger-Platz 4/Wollzeile 38 und 39/Stubenbastei 2 verlief im Mittelalter die Stadtmauer mit dem davorliegenden Schutzgraben und dem Stubentor – dieser Teil gehörte zu den ältesten Teilen der Stadtmauer, sie wurden bereits 1195-1250 errichtet. 1555 wurde die Mauer umgebaut, ab da stand man vor einem 25 Meter langen Kastentor mit Glockentürmchen.

Reste dieser Renaissancemauer wurden zwischen 1985 und 1987 beim U-Bahnbau der U3 freigelegt und denkmalpflegerisch gestaltet, sie können besichtigt werden.

Anschaulich gemacht wird die damalige Situation durch mehrere Initiativen: Vor den Resten der Stadtmauer steht ein Bronzemodell dieser ummauerten Altstadt, es wurde 1991 in Italien geschaffen.

Im Straßenpflaster sind der Turm in schwarzer Farbe und der Grundriss des Tores eingelassen. An den Mauern der Stubenbastei sind Informationstafeln angebracht, in der U-Bahn-Station selbst sind Vitrinen mit historischen Bildern des Stubentores angebracht. Die Station wurde vom Architekten Wilhelm Holzbauer gestaltet und 1991 eröffnet.

Gedenktafel an Balthasar Hubmaier, ein mittelalterlicher Kriminalfall

Eine Gedenktafel erinnert auch an eine Hinrichtung, die hier 1528 stattgefunden hat.

Balthasar Hubmaier war ein Priester, der nach seiner Berufung als Domprediger nach Regensburg, und dort im Rahmen einer Predigt zur Verfolgung von Juden aufrief, er beteiligte sich sogar an der Zerstörung der Synagoge, um an ihrer Stelle eine Kapelle (Zur schönen Maria – er war auch begeisterter Marienverehrer) zu bauen. Da er in Kontakt mit mehreren Humanisten stand und sich intensiv mit den Paulusbriefen und den Reformationsschriften Luthers auseinandersetzte, tendierte er immer mehr zu den evangelischen Kreisen. Er sprach sich gegen die Kindertaufe aus, und fiel in Rom in Ungnade. Über den Umweg Zürich gelangte er schließlich nach Mähren, wo er mehr als 2000 Menschen protestantisch taufte.

Der katholische Erzherzog von Österreich, Ferdinand I., ließ Hubmaier wegen Aufruhrs verhaften und kerkerte ihn in der Burg Kreuzenstein ein. Während der Haft verfasste er noch eine Schrift „Rechenschaft des Glaubens“, in der er sich als Täufer bekannte, was schließlich dazu führte, dass er als Aufrührer und Ketzer verurteilt und am 10.3.1528 vor dem Stubentor auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Seine Ehefrau wurde drei Tage später in der Donau ertränkt. Das Trienter Konzil exkommunizierte ihn als Ketzerfürst, dieses Urteil wurde bis heute nicht aufgehoben.

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
Dr.-Karl-Lueger-Platz 14.jpg Hubmaier, Balthasar Dr. Balthasar Hubmaier

Am 10.3.1528 vor dem Stubentor als Täufer verbrannt.
Begründer des religiösen Toleranzgedankens
"Christus ist nicht gekommen,
dass er metzge, morde und brenne"
(Aus "Von Ketzern und ihren Verbrennern")
die Christen dieser Stadt

Denkmäler

Hier befindet sich nicht nur ein Steinmonument, auch ein Natur-Denkmal ist zu finden.

Das Naturdenkmal - eine alte Platane

THEMA:Platane was ist hier zu finden
Platane756.JPG

Naturdenkmalnummer: Nr. 756
Pflanze: Platane
Auf dem Platz, direkt hinter dem Lueger-Denkmal, befindet sich ein großer alter Baum, eine Platane. Sie wurde bereits 1994 als Naturdenkmal Nr. 756 geschützt.

Das Luegerdenkmal

THEMA: Dr. Karl Lueger-Denkmal was ist hier zu finden
Dr. Karl Lueger-Denkmal Stubentor.JPG

Enhüllung: 19.9.1926
Künstler: Josef Müller

Das Denkmal für den ehemaligen Bürgermeister wurde 1913 bis 1916 von Josef Müller geschaffen, wurde aber erst am 19.9.1926 enthüllt. Schuld an der späten Enthüllung war einerseits der erste Weltkrieg, aber auch der Ort der Aufstellung, denn als geeignete Stelle kam erst der Rathausplatz in Frage. In Auftrag gegeben wurde das Denkmal von Luegers politischen Freunden.

Auf einem achtkantigen Sockel über einem dreistufigen Podest erhebt sich die Bronzestatue des ehemaligen Bürgermeisters. Den Sockel zieren vier Reliefs, die das Leben Luegers symbolisieren. Die vier überlebensgroßen Figuren stellen

  • einen jungen Arbeiter mit Gasrohr (Symbol für die Kommunalisierung des Gaswerkes),
  • einen jugendlichen Landarbeiter (Schaffung des Wald- und Wiesengürtels um Wien),
  • eine trauernde Frau mit Kindern (Lueger richtete die Witwen- und Waisenfürsorge ein) und
  • einen Greis (Versorgungsheim Lainz) dar.

Häuser des Platzes



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Quellen

  1. Datenquelle: Stadt Wien - data.wien.gv.at