Freyung 8

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Grund-Information
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Freyung 8

Aliasadressen =Freyung 8-9, =Renngasse 2, =Tiefer Graben 1-5
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 156, 157, 158, 159, 160 | vor 1821: 163, 164, 165, 166, 167 | vor 1795: 374, 373, 372, 371, 370
Baujahr 1916-1921
Architekt Ernst Gotthilf-Miskolczy, Alexander Neumann


Das Haus, Österr. Creditanstalt für Handel und Gewerbe - Architektur und Geschichte

1916 ließ die Bank Austria - damals Österreichische Creditanstalt für Handel und Gewerbe - hier ein Bankgebäude errichten. Das Eingangsportal wurde von Gustav Peichl gestaltet. Das Gebäude war - über den Tiefen Graben - mit einer Brücke zum Haus Am Hof 6 verbunden, da sich dort das Haupthaus befand.

1937 brach die Wirtschaft und damit auch die Bank zusammen (Bankenkrach). Das Haus gelangte daher in Besitz der "Österreichischen Versicherungs A.G", die später (bis 1946) in "Deutscher Ring, österreichische Lebenversicherungs A.G. (der deutschen Arbeiterfront)" umbenannt wurde.

Seit 2012 ist hier ein Teil des Verfassungsgerichtes angesiedelt, der vom Judenplatz (Böhmische Hofkanzlei) hierher gezogen war.

Zweiter Weltkrieg

Am 10.9.1944 schlug in das Haus eine Bombe ein. Sie riss das Dach ein und zerstörte eine Küche im dritten Stock. Durch die Druckwelle, die der Einschlag verursacht hatte, zerbrach auch das Glasdach des Kassensaales. Eine weitere Bombe fügte dem Haus am 12.3.1045 schwere Schäden zu (die Treppe stürzte ein), dabei starben auch sechs Menschen.

Bank Austria Kunstforum

Das Kunstforum wurde auf Anregung von Heinz Conrads hier eingerichtet. 1980 fand - unter dem damaligen Direktor Franz Vranitzky - die erste Ausstellung in den ehemaligen Kassenhallen der Bank statt. Eröffnet wurde mit der Schau "Aufbruch in die Moderne", die gleich 28.000 Besucher angelockt hatte.

Heute zeigt das Kunstforum hauptsächlich Kunst der Klassischen Moderne und der Nachkriegs-Avantgarde. Es hat auch eine eigene Sammlung zeitgenössischer Kunst, die Mittlerweile 9.000 Werke umfasst. Dazu zählen Arbeiten von Kokoschka, Klimt, Maria Lassnig, Arnulf Rainer, Attersee, Franz West und auch Ferdinand Georg Waldmüller.[1]

Eintritt

  • täglich, 10:00 - 19:00
  • Fr, 10:00 - 21:00
  • 24.12.: 10 - 15 Uhr / 31.12.: 10 - 16 Uhr / 1.1.: 12 - 19 Uhr

Das Kunstforum ist stufenlos zu erreichen.

  • Telefon: +43 1 537 33 26
  • Mail: office@bankaustria-kunstforum.at

Vorgängerhäuser

Damit die Baufläche für das großzügig angelegte Haus freigemacht werden konnte, mussten die fünf kleinen Häuser, die zuvor hier gestanden hatten, demoliert werden. Die Niederösterreichische Eskomptegesellschaft hatte zu dieser Zeit bereits Haus 157 mit dem Haus 158 zu einem verbaut. Haus 159 wurde in weiterer Folge auch dazu gekauft. Als dann die Gesellschaft in die Länderbank integriert wurde (seit 7.10.1991 Bank Austria), fielen auch die Häuser in den Besitz dieser Bank. Um den Baugrund zu erweitern kaufte man schließlich zwischen 1912 und 1914 auch die Häuser 156 und 160 dazu.

Haus 156, „Zu Unserer Lieben Frau bei den Schotten“

In dem Haus, das 1437 erstmals erwähnt wurde, befand sich zwischen 1782 und 1837 die Apotheke "Zu unserer Lieben Frau bei den Schotten".

Haus 157, „Zum goldenen Straußen“

Haus 157, das Eckhaus Freyung / Tiefer Graben, hieß nach dem Schild und dem Wirtshaus, das sich hier befunden hatte,"Zum goldenen Straußen". Schon 1434 kann ein Gebäude an dieser Stelle nachgewiesen werden. [2]

Wohn- und Sterbehaus Peter Concorz

1630 kam das Haus in Besitz des Bildhauers Peter Concorz, der auch am Bau der Schottenkirche mitgewirkt hatte. Er starb in dem Haus am 20.4.1658, im Totenbuch wurde er als "königlicher Baumeister, Bauschreiber und Hausbesitzer auf der Schottenfreyung" bezeichnet.

Schuhknechtrevolte 1721

Das Gasthaus "Zum goldenen Strauße" erlangte Berühmtheit, weil von hier die Revolte der Schuhknechte ausging.

Die Knechte der Schuster waren laut einer neuen Regelung verpflichtet worden, in - von der Zunft definierten - Gesellenherbergen einzukehren und fanden nur dann eine neue Arbeit, wenn sie von ihrem letzten Arbeitgeber einen Abschiedszettel erhalten hatten. Die ersten Unruhen wegen dieser Neuregelung gab es bereits 1715, es folgten Streiks, wobei die Gelegenheit genutzt wurde, auch gleich mehr Lohn zu fordern. Doch die Regierung hörte nicht auf die Streikenden, sie half zu den Meistern und der Zunft und verhängte sogar hohe Strafen.

Im Laufe der Jahre wurde die Situation immer drastischer, die Knechte forderten nun, sich auch die Meister selbst aussuchen zu dürfen - und sie nicht durch die Zunft zugeteilt zu bekommen, die Wirtschaft der Protektion sollte beendet werden. Im Oktober 1721 schließlich eskalierte die Situation. Die Gesellen hatten sich private Herbergen gesucht, bevorzugt wurde dabei vor allem der "Goldene Strauß". Wie erwartet reagierte die Stadt mit noch schärferen Strafen, der Aufstand formierte sich schnell. Durch das Einschreiten der Rumorwache kam es zu einigen Schwerverletzten und sogar Toten. Mit dem harten Eingreifen brachen auch die Spannungen zwischen Stadtguardia und Rumorwache auf, sie behinderten sich absichtlich und verhafteten einander. Folge war, dass entschieden wurde, die Rumorwache aufzulösen (was de facto erst 20 Jahre später vollzogen wurde). Der Aufstand konnte erst beendet werden, als zwei der Redelsführer hingerichtet wurden.

Viele Gesellen verließen Wien, der Rest kehrte in die Wiener Werkstätten zurück, die privaten Herbergen wurden aufgelöst. Immerhin wurden die anderen Beschränkungen aufgehoben.

Großhandelshaus Schwab

1775 kaufte der Hofjuwelier Joseph Friedrich Schwab das Haus, er vererbte es 1780 seinen Söhnen Ignaz und Philipp, die ein Großhandelshaus aufbauten. Die Firma musste 1818 schließen, da sieben Schiffsladungen Indigo verloren gegangen waren.

Die Enkelin von Schwab heiratete übrigens den Bankier Friedrich van der Nüll.

Haus 158, „Zum roten Mandl“

Haus 158 hatte 1770 den Namen "Bei der schmerzhaften Mutter", häufiger scheint jedoch die Bezeichnung "Zum roten Mandl" auf.

Bereits im 16. Jahrhundert befand sich in dem Haus eine Kellerschank, deren Gäste Künstler und Studenten waren. In dieser Gesellschaft soll sich auch eine Geschichte zugetragen haben, die zu einem Sprichwort in Wien geführt hatte.

Man soll den Teufel nicht an die Wand malen

Die Sage Man soll den Teufel nicht an die Wand malen
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Eines Tages im Jahre 1538 kam als Gast in das Kellerlokal der berühmte Dr. Faust. Das illustre Publikum erkannte den berühmten Geisterbeschwörer und Magier sofort und begrüßte ihn mit Applaus und der Forderung, etwas besonders vorzuführen. Faust wollte jedoch erst in Ruhe seinen Wein genießen. Der junge Schankbursche füllte eifrig den Becher randvoll an und stellte ihn dem Meister auf den Tisch - dabei verschüttete er etwas von dem kostbaren Wein. Der Doktor reagierte darauf gar nicht entspannt, er schrie den Burschen an: "Wenn du das nächste Mal etwas verschüttest, schlucke ich dich mit Haut und Haar!" Der beleidigte Bursche schüttete daraufhin beim Auffüllen des Bechers absichtlich daneben. Dr. Faust machte seinen Mund weit auf, atmete ein... und weg war der Bursche. Zum Runterspülen schnappte sich Faust noch den Löschkübel und trank diesen mit einem Zug aus.

Geschockt war die Gesellschaft verstummt. Nur der Wirt fasste sich ein Herz, und bat den Doktor um Gnade für seinen Burschen, er bräuchte ihn doch für die Arbeit. Dr. Faust lächelte milde, und wies den Wirten an, auf den Treppen nachzusehen. Da saß doch tatsächlich, verschreckt und von Löschwasser total durchnässt, der Junge. Zornig rief dieser: "Ihr seid doch mit dem Teufel im Bunde!" und verließ das Lokal.

Allmählich lockerte sich die Stimmung im Lokal wieder, man philosophierte und diskutierte über den Teufel. Um Mitternacht stand plötzlich der Kupferstecher Augustin Hirschvogel auf und zeichnete mit gekonnten Strichen eine Gestalt an die Wand. Zum Schluss verpasste er dem Bildnis eine lange Zunge und ein böses Grinsen. Doktor Faust stand auf, zeigte auf die Gestalt und sagte: "So seht Ihr jetzt den Teufel an der Wand, ich will ihn Euch aber lebendig zeigen!". Der Raum verdunkelte sich, das Bild löste sich von der Wand, und es sprang ein schrecklicher Teufel herum. Voll Entsetzen stürmten die Gäste aus dem Lokal, nur Doktor Faust saß noch bei seinem Wein und rief ihnen hinterher: "Man soll den Teufel nicht an die Wand malen!"[3]

Der wahre Kern der Legende

An der Hauswand befand sich tatsächlich ein Bild eines "roten Mandls" - das Abbild eines Mannes mit roten Haaren und scharlachroter Kleidung. Die Malerei wurde zerstört, als das Haus im Jahr 1836 umgebaut wurde.

Dr. Faust (1480 - um 1541) war ein Wunderheiler, Alchimist und Astrologe. Manche betrachteten ihn als Hochstapler oder Negromant. Er beschäftigte sich mit Geistern und Dämonen, was dazu führte, dass Faust in vielen Universitätsstädten nicht mehr Willkommen war. In Wien ließ man ihn jedoch ein, angeblich hatte er sich hier sogar ein Haus in Form einer Triangel erbauen lassen. Es soll im 2. Bezirk, in der Flossgasse 7, gestanden sein (dazu gibt es keinen Nachweis). Faust kam bei einer Explosion ums Leben. als er versuchte, Gold herzustellen. Man glaubte, der Teufel hätte dabei seine Seele geholt. Bald nach dem Tod von Dr. Faust erschien ein dickes Buch, das alle Legenden über den sagenumwobenen Doktor erzählte (Johann Weyers „De praestigiis daemonum“), die bekannteste Verarbeitung der Lebensgeschichte ist wohl der "Faust" von Goethe.

Augustin Hirschvogel (1503-1553) war ein Nürnberger Zeichner. Er wurde nach Wien berufen, weil er auch besondere Instrumente zur exakten Vermessung erfunden hatte und Wien in einem Plan darstellen sollte. Sein heute berühmter Rundplan aus dem Jahr 1547 - der erste mit exakten Daten - ist heute im Wien Museum zu sehen. Hier sind auch einige der Vermessungsgeräte ausgestellt.

Haus Stadt 159, Tiefer Graben 3

Bis 1620 kommt dieses Haus kaum in Büchern oder Dokumenten vor, es war der Burgkapelle dienstbar. 1645 gelangte es in Besitz des Ziegelbrenners Johann Thury. 1879 wurde es umgebaut und schließlich der Niederösterreichische Eskomptegesellschaft verkauft.

Haus Stadt 160, Tiefer Graben 5

Das Haus, das erstmals 1563 erwähnt wurde, lag am Tiefen Graben und war, wie das Nebenhaus, der Burgkapelle zugeordnet. 1826 ist ein Umbau dokumentiert, um 1910 wurde es von der Credit-Anstalt gekauft und für den Neubau abgerissen.

Wohnhaus bekannter Persönlichkeiten

Wohn- und Sterbehaus Paul Wilhelm Eduard Sprenger

In Haus 158 hatte der Architekt Paul Wilhelm Eduard Sprenger (* 20. August 1798 Sagan, Schlesien, † 29. Oktober 1854, ebenhier) gewohnt. Sprenger hatte 1852 die Fassade der griechisch-unierten Barbarakirche errichtet und den - durch die Revolution 1848 beschädigten - Turmhelm der Augustinerkirche repariert. 1839 wurde er mit der Abtragung der Turmspitze des Südturms des Stephansdoms beauftragt - sie hatte durch ein Erdbeben erhebliche Schäden erlitten. Da Sprenger eine zu schwere Konstruktion verwendete, musste die Spitze später wieder abgetragen werden, sie wurde durch Friedrich Schmidt neu errichtet.

Nach Sprenger ist der Sprengersteig im 16. Bezirk benannt.



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Quellen

  1. http://www.kunstforumwien.at/
  2. Eugen Messner: Die Innere Stadt Wien. Österr. Bundesverlag, 1928, Leipzig. S. 172
  3. http://www.wien-tourist.info/index.php/Das_rote_Mandl