Bäckerstraße 11

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Haus: Bäckerstraße 11 Grund-Informationen
Akademie d Wissenschaften Wien DSC1282w.jpg
Aliasadressen =Bäckerstraße 12, =Sonnenfelsgasse 12, =Dr.-Ignaz-Seipel-Platz 2, =Windhaaggasse 2
Ehem. Konskriptionsnummer vor 1862: 756 | vor 1821: 802 | vor 1795: 779
Baujahr 1753
Architekt Jean Nicolas Jadot de Ville-Issey


Alte Universität, eigentlich Neue Aula, Akademie der Wissenschaften - Architektur und Geschichte

Jean Nicolas Jadot de Ville-Issey erbaute, mit Unterstützung durch Dietrich von Enzenhofer, im Auftrag von Maria Theresia 1753 die Neue Aula der Alten Universität. Sie bot Platz für vier Fakultäten und die Universitätssternwarte.

Die Front des Hauses auf Seite des Platzes ist durch zwei Brunnennischen und eine Loggia, die auf sechs Säulen ruht, gekennzeichnet.

Brunnen Knabe mit Delfin

THEMA: Wandzierbrunnen Knabe mit Delfin was ist hier zu finden
Knabe mit Dreizack
Knabe mit Schwert

Datierung: 1755?
Künstler: Franz Joseph Lenzbauer?
Die Brunnen zeigen das Motiv "Knabe mit Delfin", der Erschaffer der Werke ist nicht gesichert, vermutet wird Franz Joseph Lenzbauer.

Der linke Brunnen zeigt einen Knaben mit einem Schwert, der auf dem wasserspeienden Delphin reitet. Der Felssockel ist mit Blättern, einer Schlange und einem Frosch geschmückt.

Der rechte Brunnen besteht ebenfalls aus einem Delphin, der Junge, der ihn reitet, hält einen Dreizack in beiden Händen. Der Felssockel ist mit Schildkröten und Echsen bestückt. [1]

Die Hohe Schule

1237 wurde die „Hohe Schule“ von Kaiser Friedrich II. als Bürgerschule gegründet. Unter Albrecht III. (1389) wurde die Universität in teilweise neu erbauten Gebäuden gegenüber den Dominikanern untergebracht. Während der Zeit der Ersten Türkenbelagerung verfiel das Haus zusehends, bis Kaiser Ferdinand 1623 entschied, die Jesuiten mit einer Neuorganisation zu beauftragen: Er schenkte den Jesuiten das Areal oberhalb der Bäckerstraße, mit der Auflage, hier nicht nur die Universität, sondern auch das Kollegium und eine Kirche entsprechend zu gestalten.

So entstand durch zahlreiche Umbauten und Integration alter Häuser der Universitätsplatz (ehemals Jesuitenplatz).

Der Bibliothekssaal

1773 wurde der Orden der Jesuiten, wie alle anderen Bruderschaften, durch Kaiser Joseph II. aufgehoben. Die Universitätseinrichtungen wurden verstaatlicht.

1774 wurde das Haus so beschrieben:

Symbol Medizin free.png

Das Gebäude hat zur ebenen Erde einen großen Vorplatz, in welchem sich 20 große Säulen befinden, die das mittlere Gewölbe unterstützen. Von diesem Platze kommt man über drey Hauptstiegen in den großen Saal, die übrigen Kollegien, die vereinigte Akademie der bildenden Künste, und die Sternwarte; zu ebener Erde aber in die Hörsäle der Arzney- und Wundarzneywissenschaft, und das besondere Versammlungs- und Prüfungszimmer der medizinischen Fakultät. Unter diesen Sälen verdient das anatomische Theater, und das chemische Laboratorium, besonders angemerkt zu werden.“ [2]

Ebenfalls beschrieben werden das vergoldete Brustbild von Gerard van Swieten, der hier mit seinem Wappen verewigt wurde, und die zahlreichen anatomischen Präparate, die sich hier befanden.

Verwendung als Kaserne

1848, während der Revolution, war hier das Hauptquartier der akademischen Legion, bis 1856 stand das Gebäude als Kaserne der kaiserlichen Armee zur Verfügung.

Seit 1857 ist hier die Akademie der Wissenschaften.[3]

Medizinische Studien

Symbol Medizin free.png

Als 1365 die Universität in Wien gegründet wurde, stand noch die humanistische Bildung im Vordergrund.

1394 jedoch wurde Galeazzo di Santa Sofia aus Padua nach Wien berufen, damit änderte sich das Spektrum der Universität. Galeazzo hielt ab 1404 Anatomievorlesungen ab und führte die ersten Sektionen durch, damals nur an hingerichteten Straftätern, etwas anderes erlaubte die Kirche nicht. Die Leichenöffnungen veranstaltete er als öffentliches Spektakel, gegen Eintrittsgeld konnten Studenten und andere Zuschauer zusehen, mit den Einnahmen wurden einerseits der Henker, die Bestattung, die Messe und die Mahlzeit mit Bier oder Wein bezahlt, andererseits finanzierte er damit ein Fakultätssiegel und ein Szepter für die Promotionen.

Auch führte er Exkursionen in die Natur, sogenannte "Herbulationen", ein, denn seiner Meinung nach konnten Heilkräuter nur so - und nicht aus Büchern - erkannt werden.

Galeazzo starb 1427 an der Pest, in Wien ist jedoch sein Gestalt noch heute zu finden: Am Singertor des Stephansdoms ist er als Stifter abgebildet.

Die Akademie der Wissenschaften

Datei:100 Schilling Eugen Boehm von Bawerk reverse.jpg
Die Alte Universität auf der 100 Schilling-Note
Plan des Universitätsviertels (aus Bermann: Alt- und Neu-Wien, 1880)

Durch ein Patent Kaiser Ferdinands I. erfolgte am 14.5.1847 die Gründung der Akademie der Wissenschaften. Der Onkel des Kaisers, Erzherzog Johann, wurde als Kurator eingesetzt, der in den Statuten bereits damals festlegte, dass innerhalb der Akademie die Freiheit der Rede und der Schrift gelte. Damit hatte er die Zensur des Vormärz außer Kraft gesetzt. Zu Anfang tagte der Verein im Polytechnischen Institut (die heutige Technische Universität), 1857 fand dann die Übersiedlung in das damals neue Gebäude am Universitätsplatz (heute: Dr.-Ignaz-Seipel-Platz) statt.

Die Forscher, die hier tätig waren, setzten neue Maßstäbe im Bereich der Physik und Meteorologie, hier wurde das erste Institut für Radiumforschung gegründet und die Weltumseglung der "Novara" geplant.

Heute besteht die Einrichtung aus 1.300 Mitarbeitern, 27 Forschungseinrichtungen in ganz Österreich und einem Budget von 97 Mio. Euro.

Gedenktafel

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
Wien01 Dr.-Ignaz-Seipel-Platz002 ÖAW 2018-08-26 GuentherZ GD Miklosich 1031.jpg Franz von Miklosich Franciscus Eques de Miklosich

MDCCCXIII - MDCCCLXXXXI
huius academiae socius
linguram litterarumque slavicarum inverstigator
cunctis aevi aequalibus opere preastans

AT-119587 Treitl-Clock in the aula of the academy of Sciences, Vienna 8659.jpg Joseph Treitl Dem Andenken ihres

Förderers
Joseph Treitl
Die kaiserliche Akademie
der Wissenschaften
MCMI


Joseph Treitl
Uhrenfreund, Gemeinderat, Mäzen
Am 8. Jänner 1804 in Wien-Wieden als Sohn eines Eisenhändlers geboren, wurde Treitl, Bürger von
Wien als Handelsmann, 1848 in den Wiener Gemeindeausschuss berufen. Durch 36 Jahre blieb er
Mitglied der Wiener Stadtvertretung, wobei er insbesondere in der Finanzsektion tätig war. 1874 erhielt
Treitl das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens. Er starb in Wien am 23. Jänner 1895. Die Tretil-
straße in Wien IV. trägt seinen Namen.
Der WIener Bürgermeister Dr. Cajetan Felder - ein Schmetterlingskundler von Rang und wirkliches
Mitglied der Akademie der Wissenschaften - zeichnet in seinen "Erinnerungen" einige Eigenheiten dieses
"durch und durch ehrenhaften, humanen, verständigen, aber höchst sparsamen Mannes."
Doch hat Treitl ein Vermögen von rund 1.430 Millionen Gulden hinterlassen, zu dessen
Universalerbin er die Akademie der Wissenschaften eingesetzt hat. Die Erträgnisse kommen dieser noch
heute zugute und werden der Widmung gemäß zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet.
Um das Andenken ihres Mäzens zu ehren, hat die Akademie der Wissenschaften unter anderem diese
NORMALUHR
anbringen lassen, - ein vielleicht etwas ungewöhnlicher Akt, dessen Sinnhaftigkeit jedoch aus einer für
Treitl charakteristischen Anekdote hervorgeht. Felder berichtet:
"... die Mittagsstunde fand ihn stets auf dem Universitätsplatz [der heutige Dr.-Ignaz-Seipel-Platz vor der
Akademie], wo er mit ein paar anderen Uhrenfexen des astronomischen Mittagszeichens von der
Sternwarte harrte. Als ich ihm zu Gemüte führte, wie er sich bei seinem Alter so Wind, Schnee und Regen
aussetzen könne, da ja seine Uhren, wie er selbst erklärte, untrüglich seien, bedeutete er mir lächelnd:
"Ja, glauben Sie, dass ich hingehe, um meine Uhren zu regulieren? Ich kontrolliere die Uhr der Sternwarte,
die auch dann und wann um ein oder zwei Sekunden variiert. "

Wien01 Dr.-Ignaz-Seipel-Platz002 ÖAW 2018-08-26 GuentherZ GD NS-Opfer 1033.jpg Akademie der Wissenschaften, NS-Opfer Zum Gedenken

an die Opfer des Natrionalsozialismus
unter den Mitgliedern
und den Angehörigen
der Akademie der Wissenschaften
Österreichische Akademie der Wissenschaften
März 2013



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Quellen

  1. https://austria-forum.org/af/AustriaWiki/Wandzierbrunnen_Knabe_mit_Delfin
  2. k.A.: Neueste Beschreibung aller Merkwürdigkeiten Wiens, Verlag Joseph Edler von Kurzböck, Wien, 1779, S. 67 f.
  3. Richard Groner: Wien wie es war, vollst. neu bearb. von Felix Czeike, Verlag Molden, Wien-München, 1965, 6. Auflage, S. 13