Äußeres Burgtor

Aus City ABC
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Haus: Äußeres Burgtor Grund-Informationen
Wien 01 Äußeres Burgtor a.jpg
Aliasadressen =Burgring, =Heldenplatz, =Hofburg
Ehem. Konskriptionsnummer Teil der Stadtmauer
Baujahr 1821-24
Architekt Luigi Cagnola, Peter Nobile


Das Äußere Burgtor - Architektur und Geschichte

Das Äußere Burgtor 1906

Das Alte Äußere Burgtor, das bereits ein noch älteres aus dem 13. Jahrhundert ersetzt hatte, war 1660 ein Teil der alten Befestigungsanlage (es wurde unter Leopold I. errichtet) – hier befand sich die Burgbastei. In der Zeit der Türkenkriege zählte dieser Abschnitt der Stadt zur dem, der am heftigsten angegriffen wurde. Nach der Schleifung der Stadtmauer durch Napoleon (die Mauer wurde weiter Außen wieder aufgestellt) und die Sprengung durch die Franzosen 1809, kurz vor deren Abzug, wurde ein neues Burgtor errichtet.

Das neue äußere Burtgor, knapp nach Eröffnung

Erbaut wurde das Neue Äußere Burgtor 1821-24 von Luigi Cagnola (Pläne) und Peter Nobile (Umsetzung). Es sollte mit 18,76 Metern Länge gleichzeitig ein heroisches Denkmal sein und an die Völkerschlacht bei Leipzig erinnern. Eröffnet wurde es am 18. Oktober 1824.

Das Bauwerk hat fünf Rundbogentore und ist auf der Innenseite mit dem Wahlspruch Franz I. versehen: „IUSTITIA REGNORUM FUNDAMENTUM“, was so viel wie: „Die Gerechtigkeit ist das Fundament der Herrschaft“ bedeutet.

In der Kaiserzeit war der Mittelteil des Tores meist geschlossen, die Durchfahrt war der Kaiserlichen Familie vorbehalten.

An der Außenseite ist neben bronzenen Wappen der Kronländer ein lateinischer Schriftzug angebracht: „FRANSICUS I. IMPERATOR AUSTRIAE MDCCCXXIV LAURUM MILITIBUS LAURO DIGNIS MDCCCCXVI“, was bedeutet: Franz I., Kaiser von Österreich 1824, den des Lorbeers würdigen Soldaten 1916.[1]

Lorbeerkranz mit Abbildung des alten Burgtors

Die mehrfach auftauchenden Lorbeerkränze mit dem kleinen österreichischen Wappen von 1915 gehen auf eine Spendenaktion von 1916 zurück, man konnte für sechs Kronen seinen Namen in ein Blatt einprägen lassen. In diesem Jahr wurde auch der lateinische Spruch „LAURUM MILITIBUS LAURO DIGNIS MDCCCCXVI (Lorbeer den des Lorbeer würdigen Soldaten 1916)“ hinzugefügt.[2]

Österreichisches Heldendenkmal

Das Heldendenkmal von Innen

In den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das Tor zu einem Denkmal der Gefallenen des Ersten Weltkriegs umgestaltet. Die Ausschreibung zum Wettbewerb gewann Rudolf Wondracek (ein Schüler von Otto Wagner), der als Bedingung für den Umbau die Vorgabe erhielt, am Äußeren des Tores nichts zu verändern. Das Innere wurde jedoch zu einem begehbaren Denkmal umgestaltet.

Finanziert wurde das Denkmal durch die Bevölkerung: mit Hilfe des hölzernen Wehrmanns, der am 5.3.1915 am Schwarzenbergplatz aufgestellt worden war. Die Statue aus Lindenholz, die sich durch Einschlagen von Nägeln, die man zum Gedenken der Gefallenen kaufen und einschlagen konnte, und so zu einem „eisernen Nagelmann“ verwandelte, ist heute noch in der Ebendorferstraße 2 zu sehen.

Das fertige Denkmal wurde schließlich am 9. und 10 September im Rahmen einer zweitägigen patriotischen Feier eröffnet. Dabei begleiteten 1000 Sänger des Ostmärkischen Sängerbundes und die Militärmusik Kardinal Innitzer bei der Abhaltung der „Deutschen Messe“ von Franz Schubert.

Auch Adolf Hitler würdigte das Denkmal. Er legte am 15. März 1938 einen großen Lorbeerkranz mit der nationalsozialistischen Standarte nieder. 12 Tage später ehrte auch Hermann Göring die Gefallenen, bei seinem Besuch spielte das Lied vom „Guten Kameraden“.

Er ließ auch im der mittleren Durchfahrt des Tores, die einst nur dem Kaiser vorbehalten war, ein SA-Ehrendenkmal errichten, es wurde 1945 entfernt.

Über der Durchfahrt wurde eine Halle eingebaut, die an die kaiserliche Armee erinnert. In dem atriumähnlichen, nach oben offenen, Raum sind die Namen der Feldherren von 1643 (Schlacht bei Nördlingen) bis 1918 (Asalone) verewigt. Wondraceks Gedanke bei der Schaffung der Halle war:

Die Helden des Weltkrieges sind unter freiem Himmel gefallen, sie sollen unter freiem Himmel geehrt werden."

Zu sehen sind Kunststeinschnitte von Herbert Dimmel und Leopold Schmidt, die die Geschichte der österreichisch-ungarischen Armee darstellen und die Heiligen Michael und Georg.

Die Krypta

Die Krypta

Im nordöstlichen Teil des Tors wurde eine Krypta aus rotem Marmor („Gefallenen-Gedächtniskrypta“) mit der Figur eines gefallenen Soldaten von Wilhelm Frass eingerichtet. Den Ergebnissen des Wettbewerbs zufolge hätte eigentlich Fritz Wotruba die Gestaltung übernehmen sollen, er dürfte jedoch zu unkonventionelle Ideen gehabt haben: Er wollte den toten Soldaten als nackte Figur abbilden.

Bis 2012 lagen in der Krypta zehn Ehrenbücher mit den Namen der österreichischen Soldaten auf, die im 1. Weltkrieg gefallen waren. Nach dem 2. Weltkrieg kamen maschingeschriebene Listen der Toten dieses Krieges dazu. Heute befinden sich diese Dokumente im Kriegsarchiv.

Die Köpfe auf der Ehrenstiege, die die Nationalitäten der k.u.k-Krieger symbolisieren, der drei Meter hoher Doppeladler aus Stein und ein riesiger Lorbeerkranz aus Bronze sind von Wilhelm Frass.

Unglaubliches Erbe der NS-Zeit

Die rote Marmorstatue des 2,7 Meter langen „Toten Kriegers“ ist ein Werk von Wilhelm Frass, der schon vor der Machtübernahme durch Hitler als illegaler Nationalsozialist tätig war.

Als die Krypta am 9.9.1934 eingeweiht wurde, war die Marmorstatue noch nicht fertig geworden. So wäre nur der aus 400 einzeln angefertigten Kupferblättern bestehende Lorbeerkranz und das drei Meter hohe „Kleine Reichswappen 1836“ aus Lindabrunner Kalkstein zu sehen gewesen. Frass fertigte daher einen Gipsandruck des Monumentes an.

Der Tausch gegen das Original im Frühling des Jahres 1935 gab dem Künstler und seinen nationalsozialistischen Freunden die Möglichkeit, heimlich eine Metallkapsel unter der liegende Gestalt anzubringen. Mit hämischer Freude berichtete Frass in der Weihnachtsausgabe des „Völkischen Beobachters“ im Jahr 1938, dass die hohen Militärs des Ständestaates nun vor einem Denkmal mit hochverräterischem Inhalt, nämlich einer Huldigung des Nationalsozialismus, ihre Zeremonien abhielten.

Erst im Jahr 2012 ging man diesem Gerücht wirklich nach. Verteidigungsminister Darabos ordnete nun an, unter Beisein einer Kommission die Statue anzuheben und einer Untersuchung zu unterziehen. Tatsächlich wurde die Metallhülse gefunden, befüllt mit zwei Schriftstücken, wovon eines von Frass stammte, das andere von seinem Mitarbeiter Alfons Riedel. [3]

Brief Frass Brief Riedel
Wien, den 8. April 1935

Im Namen der tausenden Kameraden,
die in dem großen Kampfe um unser
heiligstes Volkstum gefallen sind,
schuf ich diese Figur.
In diesem unvergänglichen Stein
Ist mein Glaube an die ewige Kraft
Des deutschen Volkes gemeis[s]elt, die
Kein Tod zu enden vermag.
Möge der Herrgott
Nach all dem Furchtbaren, nach
Aller Demütigung, den unsagbar
Traurigen Bruderzwist beenden
Und unser herrliches Volk einig,
im Zeichen des Sonnenrades,
dem Höchsten zuführen!
Dann, Kameraden, seid ihr nicht umsonst
Gefallen!
Der Bildhauer
Wilhelm Frass

Als Mitarbeiter an dem toten Krieger,

hat mir das Erlebnis des großen Krieges
als Jugendlicher im Hinterland, mit all
seinem Heroismus und Schrecken, den nach-
haltigsten Eindruck gemacht und hege
ich in voller Erkenntnis der heroischen Grös-
se des Kampfes der deutschen Nation um
ihr Lebensrecht nur diesen Wunsch, der bisher
leider nur Wunsch von Generationen war und
geblieben ist.
„ Ich wünsche, daß künftige Generationen
unseres unsterblichen Volkes nicht mehr in
die Notwendigkeit versetzt werden, Denk-
mäler für Gefallene aus gewaltsamen Aus-
einandersetzungen von Nation an Nation,
errichten zu müssen.“
Alfons Riedel
Bildhauer
Wien im April 1935

Weiheraum - Gedenkstätte für die Opfer des Faschismus

Der schwarze Marmorblock

Auf der gegenüberliegenden Seite wurde 1965 von Robert Kramreiter ein weiterer Raum eingerichtet – ein Weiheraum zum Gedenken an die Freiheitskämpfer 1934-1945. Ursprünglich war dieser Raum als Kultraum für nichtkatholische Bekenntnisse und als Aufbahrungsraum für Staatsbegräbnisse in Verwendung.

Heute enthält er einen schwarzen Marmorblock, der an der Oberseite das Bundeswappen zeigt. An der Vorderseite ist der Schriftzug „IM GEDENKEN AN DIE OPFER IM KAMPFE FÜR ÖSTERREICHS FREIHEIT“ angebracht. Der Raum erinnert daran, dass in der NS-Zeit 2.700 Österreich hingerichtet wurden, weitere 16.100 wurden in Gestapohaft umgebracht, 82.000 Menschen, darunter 65.000 Juden, wurden in Konzentrationslagern ermordet.

Der Weiheraum ist nur am Nationalfeiertag zugänglich.[4]

Gedenktafeln

Bild Anlass/Persönlichkeit Text der Tafel
Wien, Äußeres Burgtor Gedenktafel 1824.jpg Peter von Nobile Errichtet 1824

zur Erinnerung an die
Völkerschlacht bei Leipzig
nach dem Entwurf von
Peter von Nobile

Das Tor aus Sicht des Jahres 1842

Standort an der ehemaligen Stadtmauer, Etappe 1

Ein Stadtführer aus dem Jahr 1842 schildert die Eindrücke so:

Wir beginnen vor der k.k. Burg. Tritt man zur selben hinaus, so hat man den großen äußeren Burgplatz vor sich, welcher durch zwei, sich kreuzende Wege in vier Rasenparterres abgeteilt ist. Rechts und links führen in allen vier Ecken Wege auf den Wall; gerade vor sich hat man das Burgtor, unter Kaiser Franz I. von Nobile erbaut. Des Kaisers Wahlspruch: Justitia Regnorum Fundamentum, ziert die Stadtseite. Es ist 38 Klafter lang, und hat fünf Durchgänge, welche durch 12 dorische Säulen gebildet werden, die 4‘ 7‘‘ Durchmesser haben. Die mittlere Durchfahrt ist dem allerhöchsten Hofe vorbehalten. Zu beiden Seiten des Gebäudes führen auch Stiegen auf den Wall, die aber gewöhnlich verschlossen sind, sowie der Aufgang auf die Plattform des Thores. Man sollte aber in der Wachstube um das Aufschließen ansuchen, da diese Plattform ein sehr interessanter Standpunkt ist. [5]

Steht man nun auf dem Tor folgt die weitere Schilderung:

Gerade vor sich hat man die kaiserlichen Stallungen (von Fischer von Erlach erbaut), 600 Fuß lang, welche 400 Pferdestände enthalten. Etwas weiter rechts ist das Gebäude der ungarischen Garde (von demselben) und das Palais des Fürsten Auersperg. Weiterhin sieht man das Gebäude des Geografischen (Militär-)Instituts, das Kriminalgebäude, das Kahlengebirge. Links von den Stallungen führt die Mariahilfer Hauptstraße gegen Schönbrunn. Neben dieser steht in der Tiefe die Grenadierkaserne, der Platz davor ist der Getreidemarkt und das hölzerne Gebäude auf diesem enthält einen artesischen Brunnen. Weiterhin sieht man die Akazienalleen an den Ufern der Wien mit dem Kettenstege, der steinernen Brücke, jenseits der selben das Polytechnische Institut und die Karlskirche.

Die kaiserlichen Stallungen gibt es heute nicht mehr, sie wurden durch das Museumsquartier ersetzt. Links davon verläuft immer noch die Mariahilfer Straße Richtung Schönbrunn, der Bereich der Grenadierkaserne (heute Gumpendorfer Straße 6 bis 12) lag an der "Laimgrube". Beschrieben wird hier auch der Blick entlang der "Straße an der Wien", heute Linke Wienzeile, bis zur Kettenbrücke.

Die Umgebung um das Burgtor - Plan von 1858 über heutigem Stadtplan[6]

Wendet man sich gegen die Stadt um, so hat man vor sich die Gebäude der Burg. Der vorspringende Flügel enthält den Ritter- oder Zeremoniensaal. Links davon bezeichnet im ersten Stockwerk der große Balkon mit Glaswänden die Appartements seiner Majestät des Kaisers. Rechts vom Rittersaal enthält der lange, etwas niedere Bau das Antiken- und Mineralienkabinett, darüber ragt links der kleine astronomische Turm der Burg empor, rechts die Kuppel des Hofbibliothek-Gebäudes am Josefsplatze. Weiterhin steht das schöne Palais des Erzherzogs Karl auf dem Walle. Die kreuzende Straße auf dem Burgplatze führt beiderseits zu kolossalen Gartentoren, links des Volksgartens, rechts des Burggartens.

Fie neue Burg, noch unvollendet

Der Blick auf die Hofburg bietet sich heute noch. Die Appartements des Kaisers kann man heute von Innen besichtigen. Die "Neue Burg" stand zu dieser Zeit noch nicht, hier war noch die beschriebene viergeteilte Rasenfläche anstelle des heutigen Heldenplatzes. Von dieser Rasenfläche aus gelangte man links in den Volksgarten, rechts direkt in den "Hofgarten" (heute Burggarten). Eine bessere Vorstellung gewinnt man, wenn man sich den heutigen und damaligen Stadtplan der Gegend ansieht.

Kurvig weiter.jpgFolge dem Stadtspaziergang 2 - Teil 2: Rund um die Stadtmauer im Jahr 1842 und heute

Wien - Eine Stadt stellt sich vor

Die Kirche trägt das Schild Nummer 48A der Aktion "Wien - Eine Stadt stellt sich vor".

Bild Sehenswürdigkeit Text der Tafel
Várkapu - Burgtor - panoramio.jpg 48A, Burgtor BURGTOR

Bestandteil der alten Stadtbefestigung
1821
nach eine Entwurf von
Luigi Cagnola begonnen,
1824
von Peter Nobile vollendet



Gehe weiter zu Dr.-Karl-Renner-Ring

Folge der Sehenswürdigkeit Nr. 49 - "Eine Stadt stellt sich vor": Hofkammerarchiv

Gehe zurück zu Burgring | Heldenplatz | Ringstraße | Straßen des 1. Bezirks | Rund um die Stadtmauer im Jahr 1842 und heute

Quellen

  1. Harald Havas, Wiener Sammelsurium, Metro Verlag, S. 104
  2. http://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Symbole/Burgtor_-_Heldendenkmal
  3. siehe: http://austria-forum.org/attach/Wissenssammlungen/Symbole/Burgtor_-_Heldendenkmal/
  4. Herbert Exenberger, Anitfaschistischer Stadtführer Wien, S. 7
  5. Adolf Schmidl: C. Gerold, Eine Woche in Wien: Zuverlässiger und zeitsparender Führer durch die Kaiserstadt und ihre nächsten Umgebungen, Tag 1, 1842, Wien, Seite 4 – 13
  6. https://www.wien.gv.at/kulturportal/public